NICK REIMER ÜBER DAS SCHEITERN EINES WALDSCHUTZPROJEKTS AUF BORNEO

Akzeptanz als Erfolgsgrundlage

Klimapolitik, die sich nur an ökonomischen Gesichtspunkten orientiert, funktioniert nicht

Nicht der Verkehr, nicht unsere Ernährung oder die Industrie sind zweitgrößte Quelle für jene Treibhausgase, die die Erde langsam aufheizen. Es ist die Abholzung der Wälder: Nach der Energieversorgung sorgt das ungebremste Vernichten von Urwald für 20 Prozent des menschengemachten Kohlendioxids.

Es muss also etwas passieren: REDD heißt der Mechanismus, den die UN-Klimadiplomaten erschaffen haben – „Reducing Emissions from Deforestation and Degradation“. Die Idee: intakten Wald teurer machen als das Holz, das nach seiner Abholzung verkauft werden kann. REDD ist noch in der Erprobungsphase. Auf Borneo ist nun eines der Vorzeigeprojekte kläglich gescheitert. Statt 100 Millionen Bäumen wurden gerade einmal 50.000 angepflanzt – gegen den Willen der Urbevölkerung, die man nicht einbezog.

Die Lehren daraus sind einerseits banal: Egal ob beim Atommüllendlager in Gorleben oder bei der Kupfermine in Chile, gegen die Anwohnerschaft lassen sich ambitionierte Projekte selten erfolgreich durchsetzen. Von Stuttgart 21 bis zum Pipeline-Projekt Keystone XL in Nordamerika: Es ist die Arroganz der Manager, zu glauben, dass „der kleine Mann“ nicht wichtig ist. Doch der Misserfolg auf Borneo zeigt: Die Akzeptanz vor Ort ist nötig für das Gelingen. Wer in diese nicht investiert, der wird scheitern.

Andererseits zeigt die Lehre aus dem Scheitern, wie komplex sich der Kampf gegen die Erderwärmung gestaltet. Klimapolitik, die sich rein an ökonomischen Gesichtspunkten orientiert, kann nicht funktionieren. Längst haben Unternehmen „softe“ Aspekte ihres Wirtschaftens als wichtig erkannt – und mit Begriffen wie „Humankapital“ oder „Sozialkapital“ versehen. Weil aber Ökonomie perspektivisch ohne Klimapolitik nicht funktioniert, brauchen Mechanismen wie REDD deshalb soziale Aspekte.

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