Gotovina verhaftet

Kroatischer Exgeneral wird auf Teneriffa festgenommen. Er wird an das Den Haager UNO-Tribunal ausgeliefert

BERLIN | taz ■ | Der frühere serbische Präsident Slobodan Milošević wird im Den Haager Gefängnistrakt bald neue Gesellschaft bekommen: Am Mittwochabend wurde der kroatische Exgeneral Ante Gotovina, einer der meistgesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher des Balkans, auf Teneriffa festgenommen. Dies teilte die Chefanklägerin des UNO-Kriegsverbrechertribunals für Exjugoslawien, Clara Del Ponte, gestern in Belgrad mit. Gotovina befinde sich in Haft und werde von den spanischen Behörden nach Den Haag ausgeliefert, sagte sie.

Der heute 50-jährige General war in seiner Eigenschaft als Befehlshaber für den Militärdistrikt Split verantwortlich für die Militäroperation „Oluja“ (Sturm) zur Rückeroberung der bis dahin serbisch kontrollierten Region Knin. Während der Offensive im August 1995 wurden nach Ermittlungen der Den Haager Ankläger mindestens 150 serbische Zivilisten getötet.

Im Jahre 2001 wurde Gotovina vom UNO-Tribunal in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Die Anklagepunkte lauten unter anderem auf Tötung von mindestens 150 Krajina-Serben sowie die Vertreibung von schätzungsweise 150.000 bis 200.000 Krajina-Serben; hunderte Personen werden bis heute vermisst.

Gotovina, der in manchen kroatischen Orten als Held verehrt wird, war seit der Anklageerhebung flüchtig. Die kroatische Regierung hatte stets erklärt, ihr sei der aktuelle Aufenthaltsort des Exgenerals nicht bekannt, sie tue aber ihr Möglichstes, um Gotovina ausfindig zu machen und auszuliefern.

Dieser Argumentation vermochte die internationale Gemeinschaft nicht zu überzeugen. Im vergangenen März wurden Beitrittsgespräche Kroatiens mit der Europäischen Union aufs Eis gelegt, da Zagreb nicht vollständig mit dem Haager Tribunal zusammenarbeitete. In einem Bericht vom Juni 2005 hatte die Chefanklägerin noch einmal erklärt, Kroatien unternehme nicht genug, um Gotovinas habhaft zu werden. Kurz darauf beschuldigte Del Ponte die katholische Kirche in Kroatien und den Vatikan, Gotovina zu decken. Am 4. Oktober 2005 begannen die Beitrittsverhandlungen dann doch – wenige Tage, nachdem Del Ponte Kroatien „volle Zusammenarbeit“ bei der Suche nach dem Exgeneral attestiert hatte.

Del Ponte bedankte sich bei der spanischen und kroatischen Regierung und erklärte, die Ermittler seien Gotovina seit September auf der Spur gewesen. Nun hoffe sie, dass auch die serbisch-bosnischen mutmaßlichen Kriegsverbrecher Radovan Karadžić und Ratko Mladić bald gefunden werden.