Das Medienhaus an der Rudi-Dutschke-Straße – arbeitet intensiv an der Zukunft seiner Publizistik

taz.zahl ich Unser freiwilliges solidarisches Finanzierungsmodell für taz.de verlangt ständig nach neuen Ideen, um UserInnen zu überzeugen

Für das Lesen der Anderen

taz.zahl ich bedeutet: ziemlich viel analoge Arbeit Foto: Nicola Schwarzmaier

Jeder Tag beginnt mit dem Blick auf eine Zahl. Wie ist der Stand bei den regelmäßigen UnterstützerInnen? Ein kleiner, unscheinbarer Zähler gibt uns, dem Team von taz.zahl ich, nicht nur verlässlich darüber Auskunft, wie viele Menschen sich über Nacht neu angemeldet haben, er sorgt auch für die Stimmung im Raum. Ist die Zahl nicht so stark angestiegen wie erhofft, macht sich schnell ein Gefühl von Enttäuschung breit, hinzu kommen bohrende Fragen: Was können wir tun? Wie überzeugen wir die UserInnen auf taz.de? Wie gewinnen wir so viele Menschen wie möglich für unser Modell der Freiwilligkeit im Netz?

Wir arbeiten daher ständig an neuen Ideen, bei denen es im Grunde darum geht, das richtige Maß in der Kommunikation zu finden: Einerseits sollen alle Inhalte auf taz.de kostenlos und der Journalismus der taz im Netz frei zugänglich bleiben, andererseits muss er sich in digitalen Zeiten neu finanzieren. Niemand soll im Netz bezahlen müssen, wenn er/sie nicht will oder kann. Aber irgendwie muss das Geld ja reinkommen, denn taz.de kostet eben. An dieser paradoxen Ausgangslage haben sich bisher alle taz.zahl ich-Aktionen und -Kampagnen abgearbeitet. Zuletzt haben wir den solidarischen Gedanken starkgemacht: Für etwas bezahlen, das nichts kostet – damit es für alle kostenlos bleibt. Zur prägnanten Formel verdichtet hieß das dann: „taz.de ist kostenlos, für nur 5 Euro im Monat.“ Gerade diese solidarische Kernidee von taz.zahl ich hat im letzten Jahr vielen Menschen eingeleuchtet, die Zahl der ­UnterstützerInnen ist enorm gestiegen: Momentan zahlen 7.450 Menschen freiwillig für das Portal taz.de und sorgen dafür, dass die Inhalte frei und zugänglich für alle bleiben. Um die gelungene Etablierung unseres Modells, das mittlerweile auch andere Zeitungen als Vorbild dient (z. B. Neues Deutschland), weiter voranzubringen und neue UnterstützerInnen zu gewinnen, haben wir, zusammen mit der Kreuzberger Agentur Dojo, dieses „Lesen der Anderen“ in den letzten Wochen weitergesponnen und in ein neues kommunikatives Gewand gesteckt. Entstanden ist eine Idee für eine neue Kampagne, die am 11. April sowohl in Print als auch Online starten wird.

Die Community nicht aus den Augen zu verlieren ist eine weitere zentrale Aufgabe bei taz.zahl ich. Neben der alltäglichen Betreuung in E-Mails oder am Telefon heißt dies auch, die Menschen hinter den Zahlen stärker einzubinden und ein Stück weit an der taz teilhaben zu lassen. In diesem Jahr haben wir alle UnterstützerInnen zu einer ganz speziellen Veranstaltung auf dem taz.lab eingeladen. Bei „taz.zahl ich goes real life“ starten wir auf dem diesjährigen taz-Kongress zusammen mit unserer Gästen einen Feldversuch in Sachen Solidarität und übertragen die Idee hinter taz.zahl ich ins „echte Leben“. Wir wollen dabei wissen, wie lange Menschen für Fremde bezahlen.

Bei allen Aktionen geht es darum, den Beweis dafür zu liefern, dass die taz auch in digitalen Zeiten mit einem solidarischen Modell bestehen kann. taz.zahl ich bindet nicht nur Monatsbeiträge an ein Bezahlmodell, sondern Menschen an eine Idee. An die Vorstellung, dass die Solidarität der Tausenden der beste Weg für die taz im Netz ist. Wenn wir am Ende des Tages auf unseren Zählerstand schauen, dann werden wir auch daran erinnert, dass auf dem Bildschirm mehr aufleuchtet als eine Zahl.