Unterm Strich

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„Meine Befreiung“ hieß ihre Autobiografie. Das Wort Freiheit hatte in ihren Essays und Romanen immer etwas Ungebrochenes und Pathetisches. Es war bei der 1920 geborenen Autorin Benoîte Groultgegen die Zuschreibungen und die Frauenrollen gesetzt, in die sie hineingeboren war. Man kann sich ja heute gar nicht mehr vorstellen, wie fremdbestimmt und abhängig Frauen ihrer Generation waren; sie hat es immer wieder beschrieben. Dagegen setzte Benoîte Groult Selbstverwirklichung, auch im Sexuellen.Ihr bekanntester Roman, drei Millionen Mal verkauft, „Salz auf unserer Haut“,spielte die Fantasie einer langen heimlichen Affäre zwischen einer Pariserin und einem Fischer durch. Das Besondere: Die Leidenschaft lief nicht auf den Tod oder das Opfer der Frau hinaus. „Am Ende der Geschichte steht eine Frau, die auf ein gelungenes Leben und noch ein bisschen mehr als das zurückblicken kann“, hat Benoîte Groult in einem Interview gesagt. Und angefügt, wie sehr sie die berühmten Frauenfiguren, die im Wahnsinn oder Selbstmord enden, satthatte, Emma Bovary, die Kameliendame und all die anderen. Ihre überlebende Heldin war eine Kampfansage und Teil ihres kämpferischen Feminismus. Am Montag ist Benoîte Groult 96-jährig in Hyères gestorben.