Begrifflichkeiten

Die älteste überlieferte Erwähnung des Bosnischen, Kroatischen und Serbischen stammt vom Ende des 14. Jahrhunderts. In Bosnien existieren Steinmonumente, so genannte Stecci, die im 15. und 16. Jahrhundert entstanden sind und erste erhaltene, für die bosnische Sprache spezifische schriftliche Zeugnisse sind.

Das Wiener Abkommen von 1850 gilt als Gründungsdokument der serbokroatischen Sprache. Die serbischen und kroatischen Linguisten unterschrieben damals eine gemeinsame Erklärung, in der stand, dass der štokavische Dialekt die Grundlage der gemeinsamen Schriftsprache der Serben und Kroaten sein solle. Das serbisch dominierte „Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen“, das auf Geheiß „aller“ Südslawen nach dem Ersten Weltkrieg 1918 zustande kam, bezeichnete seine Sprache offiziell als Serbokroatisch. Dabei beharrten jedoch sämtliche staatlichen Verordnungen auf der serbischen Variante des Serbokroatischen.

Das sozialistische Jugoslawien führte bei seiner Gründung 1945 eine Gleichberechtigung aller südslawischen Sprachen ein. Statt einer wurden jetzt vier offizielle Sprachen anerkannt: das Kroatische, das Mazedonische, das Slowenische und das Serbische. Diese Gleichstellung war anfänglich gesetzlich verankert. Das Serbische überwog dennoch im öffentlichen Leben. Die kroatischen Wörter waren im Unterricht zwar Pflicht, aber aus der öffentlichen Verwaltung wurden sie relativ schnell verdrängt. Der sozialistische Bundesstaat bestand aus sechs Teilrepubliken (Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro und Mazedonien) und zwei autonomen Provinzen (Vojvodina und Kosovo).

1954 legte das Abkommen von Novi Sad fest, dass die gemeinsame Sprache der Bosnier, Herzegowiner, Kroaten, Montenegriner und Serben dieselbe sei, nämlich Serbokroatisch. Nach diesem Abkommen sollte zwischen ijekavisch und ekavisch lediglich der Unterschied in der Aussprache und die Verwendung der zwei Alphabete, des Lateinischen und Kyrillischen, bestehen bleiben. Das Serbische galt von da an als östliche und das Kroatische als westliche Variante der gemeinsamen Sprache.

Der kroatische Frühling war eine politische Bewegung in den späten 60ern und frühen 70ern, die für Kroatien mehr Rechte forderte. 1967 veröffentlichte eine Gruppe einflussreicher kroatischer Intellektueller und Literaten eine Deklaration gegen die „Deklassierung“ der kroatischen Sprache. Aus dieser Deklaration entwickelte sich eine kroatische Nationalbewegung. So wurde 1974 eine neue Verfassung verabschiedet, die den Republiken mehr Autonomie zusprach und Kroatisch als Unterrichtsfach an den Schulen bestätigte.

Nach dem Zerfall Jugoslawiens im Jahre 1992 wurden Slowenien, Mazedonien und Kroatien unabhängig. Serbien und Montenegro bildeten zunächst die Bundesrepublik Jugoslawien. Diese wurde im Februar 2003 durch den Staatenbund Serbien und Montenegro abgelöst. Der Staat Bosnien und Herzegowina besteht erst seit dem Friedensabkommen von Dayton 1995. Der bosnische Staat ist zweigeteilt in die Föderation Bosnien und Herzegowina und die Serbische Republik. In Bosnien und Herzegowina leben 44 Prozent Bosniaken (Muslime), 32 Prozent Serben (serbisch-orthodox), 17 Prozent Kroaten (katholisch) und 7 Prozent andere Minderheiten. Das Bosnische, das Kroatische und das Serbische sind in Bosnien und Herzegowina als offizielle Sprachen anerkannt, während der Status des Montenegrinischen nach wie vor umstritten ist.