Erst mal grüßen

Ortstermin Am Freitag machte „taz on tourfür die offene Gesellschaft“ Station im Erzgebirge

Es wird diskutiert in Crottendorf Foto: taz

Der Saal in der Crottendorfer „Glashütte“ ist voll und das Publikum vielseitig: Neben einer Frau mit Kopftuch sitzt ein blondes, aus dem Dorf stammendes Mädchen und übersetzt simultan, neben zwei Männern aus Syrien sitzen Ur-Erzgebirgler, Sunil Assin aus Pakistan bedient den Ton am Mischpult.

Rund 120 Menschen sind gekommen. Jan Feddersen, Leiter von taz.meinland, und Franz Botens von „Mehr Demokratie Sachsen e. V.“, moderierten den Abend, an dem über die Zukunft der Region, über geflüchtete Menschen diskutiert wird – und darüber, wie offen die Gesellschaft hier sein kann. Crottendorf als Zukunftsort? Sattheit, keine Sorgen, keine Nazis?

Beate Weißer-Linder vom Familienzentrum Crottendorf hat Freundschaft mit einer Familie geschlossen, die vor über einem Jahr aus Afghanistan nach Crottendorf kam. Was man den Geflüchteten zuerst beigebracht hat, war das Grüßen. „Man muss sich schon die Hand geben“, lacht Weißer-Linder. „Das gehört sich so.“ Wer dazugehören möchte, solle außerdem etwas Weihnachtsdekoration in die Fenster stellen und vielleicht ein bisschen Erzgebirgisch sprechen können. Katrin Viertel, die ein Familienunternehmen in der Gegend leitet, meint: „Wir sind hier auf einer Insel der Glückseligkeit. Grundvoraussetzung dafür ist aber immer auch das Miteinander. Man muss aufeinander zugehen.“

Am Ende geht es vor allem auch um den Titel der Veranstaltung: „Noch lange nicht satt!“ Klar scheint: Die Crottendorfer, sie waren lange Zeit satt. Es folgte, so sagen es auch einige in diesem Forum, „Trägheit“. Jetzt wollen sie hungrig sein. „Aber wie soll es weitergehen, wie sieht eure Zukunft aus?“, fragen die Moderatoren. Es folgen traditionsverhaftete Antworten: sich in Vereinen engagieren, die Infrastruktur stärken. Doch eigentlich scheint die Antwort eindeutig: Die Zukunft von Crottendorf liegt bei den neuen Bürgern aus aller Welt. Der Bürgermeister des Dorfs, Sebastian Martin, sieht das ebenso. Denn sie saßen ja schon wie die Alten dabei, die neuen Erzgebirgler.