Berlin anders sehen

AnkommenQuerstadtein bietet Stadtführungen von Geflüchteten an – auch auf dem taz.lab

Sonntagnachmittag am Check­point Charlie. Es regnet. Normalerweise würde ich mit meinen Kindern auf dem Sofa sitzen, aber heute bin ich auf dem Weg zu einer besonderen Stadtführung: „From Damascus to Berlin Mitte“. Geführt werden sollen wir von einem Geflüchteten aus Damaskus.

Seit April 2016 bietet querstadtein Stadtführungen von geflüchteten Menschen an. Die Tourguides erzählen von ihrer Flucht und davon, wie sich Ankommen in Berlin anfühlt. Auch auf dem taz.lab am 29. April soll es solch eine Tour geben. Deshalb bin ich hier. Mit mir warten noch neun weitere Leute. Wir stehen alle relativ dicht gedrängt unter dem Vorsprung eines Häuserdachs in der Mauerstraße, versuchen, dem feinen Nieselregen zu entgehen.

Neben mir wartet ein deutsches Paar. Sie leben beide in Berlin und wollen einfach mal etwas anderes machen. Die Frau, zu meiner Rechten arbeitet für einen Verein, der Geflüchteten hilft. Sie tauscht gleich Visitenkarten aus mit den drei Amerikanern, die alle so freundlich begrüßt haben. Sie kommen aus San Francisco, arbeiten für ein soziales Unternehmen und sind auf Recherchetour in Berlin: Was brauchen Geflüchtete, wie kann man helfen? Mit ihren Befunden wollen sie eine App entwickeln. „Wir wollen die Leute im Silicon Valley dazu bringen, ihr Geld in die Flüchtlingshilfe zu stecken“, erklärt mir Sergio Medina, der Gründer des Unternehmens. „Die Leute dort wissen einfach noch nicht, wie sie das anstellen können, und das wollen wir ändern“.

Leider fällt unsere Tour durch Berlin an diesem Nachmittag aus. Der Tourguide ist erkrankt. Bis zum taz.lab ist er wieder gesund, und wir werden dann die Möglichkeit haben, dabei zu sein, wenn Nafee Kurdi aus Damaskus seine eigenen Erfahrungen mit der deutsch-deutschen Geschichte verknüpft. Wenn er erklärt, warum ihn der Checkpoint Charlie an seine Heimat erinnert und weshalb er das Brandenburger Tor „Gate of Life“ nennt.