Synthies sind
für alle da

MODULE Eine Fachmesse für Synthesizer-Hersteller – das könnte eine ziemlich öde Veranstaltung für Technikfreaks sein. Nicht aber beim Superbooth im FEZ in der Wuhlheide

Alissa Derubeis (l.) aus Portland gibt Synthie-Workshops für Frauen – sie kommt auch nach Berlin Foto: A. Derubeis

von Andreas Hartmann

Eine Fachmesse für Synthesizer, das klingt nach einer sehr speziellen Veranstaltung für Leute, die sich gern freiwillig über Begrifflichkeiten wie „Frequenzmodulationssynthese“ austauschen und die wissen, dass ein Modul nicht nur etwas mit den Kücheneinrichtungen bei Ikea zu tun hat, sondern auch mit der elektronischen Klangerzeugung. Genau so etwas, ein Branchentreff der Synthesizerhersteller für Freaks und Geeks, will die Superbooth, deren zweite Ausgabe vom 20. bis zum 22. April in Berlin stattfindet, auch sein. Aber eben nicht nur. Und es ist wirklich auffällig, wie sehr sich die Veranstalter der Messe um alle Aspekte dieses „aber eben nicht nur“ bemühen.

Das Superbooth ist ein dreitägiges Event rund um das Thema Synthesizer, das in diesem Jahr vom 20. bis 22. April im Ferien- und Erholungszentrum (FEZ) in der Wuhlheide stattfindet. Zum einen versteht man sich als Messe, zu der 170 Aussteller aus über 20 Ländern kommen. Darüber hinaus gibt es Workshops, Talks und Konzerte. Unter den Teilnehmern und Workshop-Hosts sind unter anderem Schneider TM, Alec Empire, T.Raumschmiere, die Gebrüder Teichmann, Gudrun Gut und Mouse on Mars. Das ­Programm: www.superbooth.com

Eine Firmenleistungsschau, auf der ein paar technische Geräte von Hostessen präsentiert werden und geschaut wird, dass man sich möglichst schnell besäuft, genau so etwas will die Super­booth dann eben nicht sein. Klar, beinahe 170 Anbieter, von Giganten im Musikgeschäft wie Moog und Korg bis zu kuriosen Klitschen wie Mutable In­struments und Oscillosaurus, werden im FEZ in der Wuhlheide zugegen sein, um neue Geräte für die Produktion elektronischer Musik zu präsentieren. Aber es wird auch zig Workshops geben, manche extra für Kinder, außerdem Konzerte, Talks und all das, was es so braucht, um aus einer Technikmesse einen unterhaltsamen Event zu machen. Sogar Bootsfahrten ab Jannowitzbrücke zum Messegelände werden angeboten. „Die dauern jeweils gut eine Stunde und sind für sich genommen schon kleine Ereignisse“, so Superbooth-Sprecher Timm Stobbe. Zumal man bereits auch hier auf dem Schiff Konzerte erleben kann; etwa von Tangerine Dream, die allerdings nur noch dem Namen nach etwas mit den Synthesizermusikpionieren der Siebziger zu tun haben – aber das ist bei schönem Wetter draußen auf Deck vielleicht völlig egal.

Man merkt der Konzeption der Superbooth deutlich an, dass sich hier jemand ernsthaft darüber Gedanken gemacht hat, wie man eine Technikfachmesse auf die Beine stellen kann, bei der man am Ende nicht sagen muss: Eigentlich waren nur alte Männer unter den Besuchern, die Tangerine Dream noch in ihrer Originalbesetzung erlebt haben, aber denen hat es ganz gut gefallen. Die Berliner Musikerin Gudrun Gut bietet somit auch Workshops nur für Frauen an. Und eine Diskussionsveranstaltung mit durchaus illustren Gästen wie Depeche-Mode-Entdecker Daniel Miller und Moritz R. von der Band Der Plan als „Altherrenabend“ anzukündigen zeugt von einem überraschenden Sinn für Selbstironie.

Superbooth will alles sein – bloßkeine Messe ausschließlich für Geeks

Auch der Ort der Messe, das Familienerholungszentrum FEZ mitten im Park Wuhlheide, ist eine ziemlich originelle Wahl für eine derartige Messe, passt aber zum familienfreundlichen Konzept. Der Ort bietet sich für einen Ausflug förmlich an. Zuerst schippert man mit dem Bötchen, besucht daraufhin den Streichelzoo ums Eck, und dann geht es rüber mit Kind und Kegel zum Synthesizerpark. und man probiert sich an ein paar hübschen Klangsynthesen aus.

Mouse On Mars, Ricardo Villalobos, Alec Empire, Gäste und Musiker dieser Liga werden auf den Bühnen der Superbooth zugegen sein, allein schon die Konzertdichte auf der Messe ist recht ordentlich. Circa 3.000 ­Besucher kamen vergangenes Jahr zur ersten Ausgabe der von dem berühmten Synthesizershop Schneiders Laden am Kottbusser Tor organisierten Messe ins Funkhaus Berlin. Etwa 50 Prozent mehr Gäste als 2016 Jahr erhofft sich Superbooth-Sprecher Timm Stobbe für den zweiten Anlauf.

Weltweit sei das, was man hier mitten im Park Wuhlheide ­versuche, einmalig, sagt er. Es gebe sonst entweder riesige kommerzielle Musikmessen, auf denen das Thema Modularsynthesizer aber nur eine untergeordnete Rolle spiele, oder aber kleine Freakveranstaltungen mit einer Handvoll Anbietern von analogen Klangerzeugern, die unter sich bleiben wollen. Eine Messe dieser Größenordnung für alle Aspekte der elektronischen Musik sei demnach neu und einzigartig. Und sie passt natürlich auch nach Berlin, in die Welthauptstadt dieser Musik.