Rückblick taz.meinland will mit Ihnen für eine offene Gesellschaft streiten. Eine Zwischenbilanz

Halbzeit ohne Pause

Diskussion auf dem taz.lab: Jan Feddersen (links) und Sebastian Martin (rechts) Foto: Foto:Paul Toetzke

von Torben Becker

Die taz möchte mit Deutschland über seine Zukunft reden. Warum? Um diese aktiv mitzugestalten. Dafür wollen wir raus aus Berlin und abseits der Großstädte die offene Gesellschaft entdecken. Wir kommen zu Ihnen! Bis zu den Bundestagswahlen wird in rund 50 Stationen dar­über diskutiert, was Deutschland ist, sein kann und wie wir es gemeinsam gestalten können. Wir suchen nicht nur das Gespräch, sondern auch den produktiven Streit, möchten Problemlagen ansprechen und Lösungen finden. Gut 25 Veranstaltungen haben wir bereits mit Ihnen gestaltet – Zeit für eine Zwischenbilanz.

Unzählige Besuchsanfragen haben unsere Redakteur*innen erreicht. Ende August 2016 starteten wir mit einer Veranstaltung in Sassnitz auf Rügen. Auf der beliebten Ferieninsel wird im Stadtteil Prora das ehemalige Nazi-Erholungszentrum „Kraft durch Freude“ an Investor*innen verkauft: ein Streit über exklusive Ferienanlagen und die Möglichkeiten kommunaler Nutzung.

In Flensburg haben wir über den Mehrwert von offenen und geschlossenen Grenzen gesprochen. In Hannover mit Berufsschüler*innen über Alltagsrassismus und Sexismus. In der Lausitz über das Janusgesicht des Kohleabbaus – strittige Themen, die vom Austausch leben. Daher sei es an der Zeit, sich einzumischen und nicht wegzuschauen, so Sebastian Martin, Bürgermeister von Crottendorf. Mit ihm und den Anwohner*innen haben wir über das integrative Kommunalleben im Erzgebirge gesprochen – einer Region, in der sich nicht nur Sachsen wohlfühlen. Vorurteile kommen zur Sprache und werden überdacht, Stimmbänder strapaziert, der Puls wird beflügelt. Schon daran merken die Teilnehmer*innen, dass genau sie gefragt sind. Denn erst ihr lokales Engagement und Herzblut können etwas verändern.

Wir haben beobachtet, dass die Visionen über eine Zukunft Deutschlands teilweise zwar von Ratlosigkeit, aber nicht von Hass geprägt sind. Die Menschen möchten im Gegenteil an einer gemeinsamen Zukunftsvision einer offenen Gesellschaft teilhaben.

Rechtspopulistische Schwarzmalerei haben wir nicht angetroffen. Frust besteht vielmehr darin, dass es zwar reges soziales Engagement gibt, dieses jedoch oft nicht gesehen oder honoriert wird. Mit dem Projekt taz.meinland kann diese aktive Mitgestaltung sichtbar gemacht werden. Auf unseren Veranstaltungen diskutierten Menschen, die sonst vielleicht nicht ins Gespräch kommen würden oder seit Langem wieder miteinander sprachen. Dafür gelten alle vergangenen Veranstaltungen, von Sassnitz bis Rendsburg, als beste Beispiele. Sie zeigen: Der Wille, etwas zu verändern, ist da.

Auch auf dem taz.lab am 29. April, dem diesjährigen Kongress zum meinland-Projekt, haben wir über die Möglichkeiten zur Teilhabe in unserem Land diskutiert. Die meinland-Redakteur*innen ­Ann-Kathrin Liedtke und Malaika Rivuzumwami haben auf dem taz.lab über ihre Erfahrungen und positiven Überraschungen auf den bisherigen Reisen berichtet: Der gemeinsame Tenor aller Veranstaltungen sei, dass die Besucher*innen die Gelegenheit schätzten, miteinander reden zu lernen und gehört zu werden. Jan Feddersen, Projektleiter von taz.meinland, betonte, die Prämisse dieser Dialoge sei, dass sie nicht auf Ausgrenzungen basiere.

Das Land der vielen wunderbaren Menschen, die wir auf unserer Tour bisher getroffen haben, ist ein offenes Land – offen für Austausch, für Differenzen und für eine gemeinsame Zukunft. Also: Bis zu den Wahlen und vielleicht auch darüber hinaus möchten wir nicht nur nach den Druckstellen in den Schuhen suchen, sondern gemeinsam mit Ihnen selbst ein neues Paar schustern. Darauf freuen wir uns.