nord.thema

AUS- & WEITERBILDUNG

verlagsseiten der taz.nord zum thema

Vorbereitungskurse ebnen Geflüchteten den Weg ins Studium

Integration durch Bildung Hochschulen bieten studienvorbereitende Programme für Geflüchtete. Die Nachfrage nach freien Plätzen ist groß

Seit dem Beginn der „Flüchtlingskrise“ hat sich an den Hochschulen einiges getan, um Geflüchtete in den Hochschulalltag zu integrieren. Es gibt vielerorts studienvorbereitende Sprachkurse oder Freizeit- und Begleitangebote, um Flüchtlingen den Kontakt mit anderen Studierenden zu erleichtern. Manche Hochschulen bieten umfassende Vorbereitungskurse an, die neben Sprachkenntnissen auch fachliches Wissen vermitteln und bei der Bewerbung um einen Studienplatz helfen.

So etwa das Vorbereitungsstudium für Geflüchtete an den Bremer Hochschulen, das es seit dem Sommersemester 2016 gibt. Die dritte Kohorte hat im April angefangen, 30 Stunden die Woche lernen die TeilnehmerInnen nun Deutsch. Das Ziel ist klar: ein Studienplatz hier, in Deutschland.

Bei „Here Studies“ – Here steht für Higher Education Refugees Entrance – gibt es pro Durchgang 60 Plätze – und die sind begehrt: 600 Personen hatten sich für diesen Durchgang registriert. Nach der Bewerbung werden die Zeugnisse geprüft und InteressentInnen absolvieren einen bundesweit standardisierten Studierfähigkeitstest für ausländische Studierende, den „Testas“. Auf Basis der Testergebnisse wird dann entschieden, wer in das Programm aufgenommen wird. Ein bestimmtes Sprachniveau muss zu Beginn des Kurses nicht vorhanden sein.

„Wir habe eine hochmotivierte Klientel“, so Christina von Behr, Geschäftsführerin des Here-Büros. „Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein junges Paar, dass mit einem Neugeborenen zum Prüfungstermin kam. Der Vater passte auf das Baby auf, während die Mutter den fünfstündigen Test ablegte, drei Tage nach der Entbindung.“

Insgesamt sind momentan 268 Geflüchtete im Programm, die Frauenquote liegt bei 20 Prozent. „Hier bildet unser Angebot die Flüchtlingsströme ab“, so Jens Kemper vom Here-Büro. Die Mittel für das Projekt kommen vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und der Bremer Bildungssenatorin.

Deutsch intensiv

Maximal vier Semester können die TeilnehmerInnen im Programm bleiben. Im Sommer werden die ersten 55 TeilnehmerInnen die Sprachprüfung für das Sprachniveau C1 ablegen – Voraussetzung für das Hochschulstudium. Sie können sich dann zum kommenden Wintersemester auf einen Studienplatz bewerben. Damit im Studium alles klappt, gibt es neben den Deutsch-Intensivkursen auch Kurse zu Studiertechniken und wissenschaftlichem Arbeiten. Im Sommer soll zudem ein interkulturelles Training angeboten werden.

Diese Angebote sind nötig, obwohl viele TeilnehmerInnen bereits in ihren Heimatländern studiert haben. „Das wissenschaftliche Arbeiten ist in Deutschland anders als in den Herkunftsländern. Insbesondere die Eigenständigkeit im Studium ist für viele neu“, so von Behr. Mirja Uschkureit vom Here-Büro ergänzt: „Auch das Sozialgefüge muss berücksichtigt werden. Das wissenschaftliche Arbeiten in den Herkunftsländern ist teilweise restriktiv und dadurch entsprechend eingeschränkt.“

Keine Geflüchteten-Enklave

Die Bremer Hochschulen sind nicht die einzigen, die solche Vorbereitungskurse für Geflüchtete organisieren. Die Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg etwa bietet ein Orientierungsjahr für Flüchtlinge an, welches wie das Bremer Projekt Beratung, Sprachkurse und Seminare für wissenschaftliches Arbeiten beinhaltet. Zusätzlich werden die TeilnehmerInnen als GasthörerInnen eingetragen, können die regulären Veranstaltungen schon besuchen und so Einblicke in das Fachstudium erhalten. „So können die TeilnehmerInnen sich fachlich orientieren und auch überprüfen, ob sie bereits sprachlich fit genug für ein Studium sind“, erklärt Katrin Freese von der Universität Oldenburg. Zusätzlich gibt es auch noch Freizeitangebote. „Diese sind integrativ, es nehmen auch andere Studierende teil. So bilden die Geflüchteten keine Enklave innerhalb der Universität.“

Auch an der Universität Hamburg (UHH) gibt es mit „UHHhilft“ ein studienvorbereitendes Programm. In einer maximal zwei Semester dauernden Studienorientierungsphase gibt es neben Sprachkursen und Einblicken in Lehrveranstaltungen auch Kontakt zu Studierenden, der den Einstieg in den Universitätsalltag erleichtern soll. Für Frauen, deren Quote im Programm bei 25 Prozent liegt, gibt es zudem einen Frauenstammtisch.

An die Orientierungsphase schließt sich die Bewerbungsphase an, in der die Teilnehmenden noch einmal beraten werden. An dem seit dem Wintersemester 2015/2016 bestehenden Projekt konnten bislang 2012 Personen teilnehmen – alle, die sich dafür registriert hatten. Bislang haben 25 ehemalige Teilnehmende ein Regelstudium an der UHH aufgenommen. Vor dem Hintergrund der sprachlichen Anforderungen wird dies von den Machern des Projekts als Erfolg gewertet.

Die Europa-Universität Flensburg (EUF) bietet mit dem dieses Jahr eingeführten Pro-Ref-Programm ebenfalls einen vorbereitenden Kurs für Geflüchtete an, der auf ein Semester angelegt ist und 40 bis 55 Plätze hat. Voraussetzung ist hier neben der Hochschulzugangsberechtigung, dass die BewerberInnen bereits das Sprachniveau B1 erreicht haben – allerdings in Deutsch oder Englisch. Im nächsten Durchgang soll das Programm auf ein Jahr ausgedehnt werden. „Sprachen lernen braucht Zeit“, sagt die Leiterin des International Center der EUF, Ulrike Bischoff-Parker. Jördis Früchtenicht