Party Das taz.meinland Sommerfestival – von euch, mit euch, für euch

Auf nach Grimma!

Festivallocation der besonderen Art: die Alte Spitzenfabrik bei Grimma am Ufer der Mulde Foto: Uwe Tölle

von Mareike Barmeyer

Wer auf dem Muldentalradweg unterwegs ist, kommt an Grimma vorbei. „Krimma“, wie die Einheimischen sagen, ist ein Ort in Sachsen in der Nähe von Leipzig. Der Ort wirbt auf seiner Webseite mit dem Motto: „Alles ist möglich!“ Und wenn man auf dem Radweg kurz hinter Grimma bei der Alten Spitzenfabrik haltmacht, um ein veganes Sandwich im Container Café zu essen, glaubt man es auch.

Vielleicht hat man – vorurteilsbelastet wie man nun mal ist – irgendwelche Nazis auf dieser Strecke vermutet oder Bürgerbewegungen, die gegen AsylberwerberInnen hetzen. Wahrscheinlich gibt es diese auch, aber was man gerade hier am Ufer der Mulde findet, ist ein gelber Ziegelbau, der in der Sonne leuchtet. Auf einer Holzplanke, die eines der vielen kaputten Fenster verschließt, liest man: „Auf dem Areal ist kein Platz für Rassismus, Sexismus, Homophobie und andere Scheiße. Nazi Free Youth“.

Nicht irgendwo in Sachsen

Man befindet sich hier nämlich nicht irgendwo in Sachsen, sondern im „Dorf der Jugend“, einem Projekt von Tobias Burdukat, taz-Panter-Preis-Träger 2016, der letztes Jahr die Jury mit genau eben diesem Projekt überzeugt hat.

Auch taz.meinland war begeistert von der Person und dem Projekt, und so kommt es nicht von ungefähr, dass wir uns genau diesen Ort für unser taz.meinland Sommerfestival ausgesucht haben. Inzwischen haben wir schon in über 25 Orten in Deutschland haltgemacht, viel gesehen, zugehört und diskutiert. Am 24. Juni ist es jetzt Zeit, zu feiern, finden wir. Aber natürlich nicht irgendwie und irgendwo.

Mit seinem „Dorf der Jugend“ will Tobias Burdukat, der selbst in einem Nachbarort von Grimma, in Großbothen, aufgewachsen ist, einem typischen Problem in dieser Gegend entgegenwirken: dem Problem nämlich, dass die engagierten Jugendlichen irgendwann älter werden und dann wegziehen. Wie aber bringt man Jugendliche dazu, in Grimma zu bleiben und sich einzubringen, Veranstaltungen ins Leben zu rufen und Freiräume zu erobern? Wie kann man Jugendarbeit anders machen? Das hat sich Tobias Burdukat, der von den Jugendlichen auch liebevoll Pudding genannt wird, gefragt, und herausgekommen ist das Projekt „Dorf der Jugend“.

Das Projekt zielt darauf ab, dass sich Jugendarbeit im ländlichen Raum eigenständig finanzieren kann und nicht mehr an Fördertöpfen hängt. Sogar die Gründung einer Genossenschaft ist für die Zukunft geplant. Burdukat will den Jugendlichen hier die Möglichkeit geben, selbstständig und eigenständig zu werden und sich an zivilgesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen.

Inzwischen haben sie gemeinsam auf dem Gelände der Alten Spitzenfabrik ein Container Café eröffnet und eine Fahrradwerkstatt. Diese nutzen nicht nur die Radfahrer, die den Muldentalradweg entlangfahren, sondern auch die AsylbewerberInnen der Umgebung, deren einziges Fortbewegungsmittel auf dem Land das Fahrrad ist. Weiterhin sind Proberäume in den Gebäuden geplant und vielleicht irgendwann auch einmal ein Hostel.

Was für einen besseren Ort könnte es also geben für unser Sommerfestival, auf dem wir die Zivilgesellschaft sichtbar machen wollen, Demokratie an der Basis fördern und vor allem – feiern.

Wie schon auf dem taz.lab soll es auch hier wieder runde Tische geben, an denen diskutiert werden darf mit Gästen, wie Andreas Raabe vom Leipziger Stadtmagazin Kreuzer, Matthias Berger, dem Oberbürgermeister von Grimma, und vor allem – mit Ihnen. Wir wollen Fragen erörtern wie diese: Wie geht Nazifrei? Was bedeutet meinland eigentlich für Sie? Und wie sieht es in Zeiten von Fake News mit dem Journalismus aus?

Geplant sind außerdem Workshops für Jung und Alt, unter anderem für Improvisationstheater und veganes Backen.

Fleisch oder Tofu?

Aber es wäre kein Festival, wenn es nicht auch Essen, Musik und Draußen-Klos gäben. Für all das ist natürlich gesorgt: Wer einfach nur chillen will, tut dies in der Chill-out Area unseres Festivals. Veganes Essen gibt es im Container Café auf dem Gelände, das von den Jugendlichen betrieben wird. Zusätzlich wird ein Grillplatz errichtet, an dem man sich die selbst mitgebrachten Würste – aus Tofu oder Fleisch – brutzeln kann. Wer ein Bier zu viel getrunken hat oder ganz einfach die Nacht am Lagerfeuer durchdiskutieren möchte, baut sein Zelt auf und bleibt – über Nacht.

Einige lokale Bands wie „Der Geräusch“, „wickedwaste“ und „5Raumfenster“ haben schon Interesse bekundet, auf der Bühne im Innenhof der Alten Spitzenfabrik zu spielen. Es wird auch etwas von einem Singer-Songwriter-Programm, den sogenannten Waterkant Allstars, gemunkelt. Man darf also gespannt sein.

Für die taz wird es das erste, in hoffentlich einer Reihe von Sommerfestivals werden. Tobias Burdukat dagegen hält zwei Wochen vorher schon sein 12. Crossover Festival auf dem gleichen Gelände ab. Da kann ja nichts schiefgehen. Alles ist möglich!