Leser*innen als Korrektiv

Niederlande Beim Onlinemedium "De Correspondent" setzt man nicht nur auf die finanzielle Unterstützung des Publikums für den Journalismus

Ilija Matusko

Foto: David Oliveira

Jahrgang 1980, wuchs im Voralpenland auf und studierte Soziologie, Politikwissenschaft und Sozialpsychologie. Seit 2014 ist er Mitarbeiter bei der Initiative taz.zahl ich und wirkt mit an der Idee des freien Zugangs zu unabhängiger Information.

Vor einigen Jahren haben sich ambitionierte Neugründungen aufgemacht, den Medienwandel und die Krise um die Finanzierung von Journalismus im Netz zu meistern. Crowfunding war das Modell der Stunde – also die Finanzierung über eine Community, so etwa hierzulande bei Correctiv oder Krautreporter. Ein sehr prominentes Projekt ist De Correspondent, ein Onlinemagazin aus den Niederlanden. Mit der Ansage, Hintergründe und tiefere Analysen abseits der Breaking News zu bieten, hatten die Verantwortlichen des Projekts in einer Kampagne um aktive Mitglieder gebeten.

Es klang zu schön, um wahr zu sein: Nach nur eine Woche hatten die GründerInnen um den Journalisten Rob Wijnberg, heutiger Chefredakteur, die anvisierten 15.000 Abonnent*innen für den Start überzeugt. Und das für Reportagen, die es zu dem Zeitpunkt noch gar nicht gab. Ein neuer Crowdfunding-Rekord und ein wichtiges Signal: Das Internet macht eben nicht nur „alles kostenlos“, sondern bietet auch Raum für journalistische Experimente.

Das war 2013. Mittlerweile behauptet sich der Correspondent seit vier Jahren erfolgreich in der Medienlandschaft. Über 50.000 Abonnent*innen zahlen derzeit 60 Euro im Jahr für das Projekt. Ein Grund für den Erfolg ist nicht zuletzt die enge Einbindung des Publikums in das Medium. Maaike Goslinga, Redakteurin beim Correspondent, sieht in diesem partizipatorischen Ansatz eine Möglichkeit, das durch die Medienkrise verlorene Vertrauen der Leser*innen zurückzuholen: Wir holen die Leser*innen mit in unseren journalistischen Prozess hinein, indem wir sie wissen lassen, worüber wir gerade berichten und sie dabei um ihre Mithilfe bitten. Auf diese Weise versuchen wir, einen Gesellschaftsvertrag zwischen Leser*nnen und Journalist*innen aufzubauen“, so Goslinga. Das sogennate Membership-Modell des Correspondent steht für einen leser*innenzentrierten Journalismus.

Wir holen die Leser*innen mit in unseren journalistischen Prozess hinein

Maaika Goslinga, De Correspondent

Kürzlich kündigte Wijnberg an, im Frühling 2018 mit einer US-Version des Correspondent an den Start zu gehen. Vielleicht wollen sie sich den Crowdfunding-Weltrekord zurückholen, denn den hat das Schweizer Projekt Republik (siehe Text oben) kürzlich geschlagen.