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Kampf gegen Bildungslücken

SOMMERUNIS Der Sommer ist zwar Urlaubszeit, aber Freizeit und Wissenszuwachs lassen sich kombinieren. An den Unis und Hochschulen Norddeutschlands ist die Auswahl an Sommerveranstaltungen groß

An den Universitäten ist es im Sommer wie an den Theatern: Es ist nicht viel los. Semesterferien, vorlesungsfreie Zeit. Doch der Sommer ist nicht nur eine Zeit, in der viele Studierende ihren Hörsälen, Bibliotheken und Mensen für eine Weile den Rücken kehren: Er ist zugleich eine Zeit, in der sich viele Hochschulen für Gaststudierende öffnen.

Auch in Norddeutschland ist das so, von Kiel über Hamburg bis Hannover, von Lüneburg bis Osnabrück. Die Bandbreite dieser Kurse ist groß: Einige setzen Spezialkenntnisse voraus, andere nur Neugier. Einige dauern mehrere Wochen, andere nur wenige Tage. Manche Kurse dienen dem Spracherwerb, andere der Fachdebatte – und wieder andere beidem. Einige richten sich an Hauptschüler, andere an Postdoktoranden. Manche Hochschulen bieten ein ausgefeiltes Event- und Sightseeing-Programm an oder vergeben ECTS-Leistungspunkte. Einige Teilnehmer kommen aus Übersee, andere wohnen keine zwei Minuten Fußweg entfernt.

Manchmal sind unter den SommerkurslerInnen auch Studierende der gastgebenden Universität. Osnabrück zum Beispiel wirbt eigens dafür: Einige Plätze seiner zwei Anfang Juli beginnenden „International Summer Schools“ sind für OsnabrückerInnen reserviert. Sie erhalten einen „Heimrabatt“ – nur das Kultur- und Freizeitprogramm kostet sie was. Der volle Preis indes ist happig: 1.500 Euro.

Dafür bekommt man aber auch drei vollgepackte Wochen zu „Biomembranes & Cellular Microcompartments“ oder „Intercultural Competencies“ plus Sprachkurs. „So wird in einer Atmosphäre des Lernens und Forschens unter Freunden Internationalisierung erlebbar gemacht“, sagt Malte Paolo Benjamins vom International Office der Uni Osnabrück. Auch das „International Face Time“-Programm trägt dazu bei – OsnabrückerInnen betreuen die TeilnehmerInnen ganz persönlich, vom Kochen bis zum Ausflug.

Osnabrücker Studierende erhalten für die „International Summer Schools“ ihrer Universität einen „Heimrabatt“

Sommerkurs-Programme gibt es zu Hunderten. Allein die zu durchforsten, für die der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) Stipendien vergibt, kostet Zeit – auch wenn es auf der Website des Dienstes dazu eine Suchmaske gibt.

25 der 85 TeilnehmerInnen des Sommerkurses „Deutschland heute – Sprache, Gesellschaft, Staat, Kultur“ der Christian-Albrechts-Universität Kiel sind solche Stipendiaten. Seit 1948 bietet Kiel Kurse wie diesen an – Sprachschulung, Vorträge, Exkursionen. Von Mitte Juli bis Mitte August kommen Studierende und AbsolventInnen ausländischer Hochschulen zusammen. „Große Experimente machen wir nicht – mit Fachkursen etwa, neuen Zielgruppen. Wir sind eher die klassische Schiene“, sagt Andreas Ritter vom International Center der Uni Kiel. Ziel ist ein möglichst weitgefächerter Interessentenkreis. Und das geht auf. Es gibt stets mehr Nachfrage als Plätze. Den Sommerkurs sieht Ritter auch als Werbemaßnahme: „Das ist ja auch eine Chance, Studierende auf uns aufmerksam zu machen.“ Besonders attraktiv an Kiel: Törns mit den uni-eigenen 10-Meter-Yachten.

Die Leuphana-Universität Lüneburg setzt dagegen auf eine sehr spezielle Zielgruppe. Ihre dreiwöchigen-Camps, je 30 bis 50 TeilnehmerInnen stark, richten sich an HauptschülerInnen, die im Jahr darauf ihren Abschluss machen. Zwei der sechs Camps dieses Jahres stellt Projektleiterin Maren Voßhage-Zehnder im Norden zusammen: in Lübeck und Hamburg. „Es geht um das Verstärken von Potenzialen. Und nach dem Camp begleiten wir die Schüler durch das komplette letzte Schuljahr.“ Bewerbungsgespräche werden trainiert, ein Musical erarbeitet. „Deutschlandweit ist es das einzige Projekt dieser Tiefe und Nachhaltigkeit für diese Zielgruppe. Der Bedarf ist riesig, die Nachfrage auch.“ Es sei „natürlich schon sportlich, Jugendliche in den Ferien für drei Wochen für uns zu begeistern“, sagt Voßhage-Zehnder, die noch heute Kontakt zu Teilnehmern von vor fast zehn Jahren hat. „Dass das Ganze für die Teilnehmer kostenfrei ist, ist dabei sicher nur ein Argument unter vielen.“

Die Uni Bremen bietet im Sommer mehrwöchige Deutschkurse des Fremdsprachenzentrums an, ergänzt um Workshops und viel Landeskultur – und das 20. Sommerstudium für Frauen in der Informatik, die „Informatica Feminale“ plus die neunte Ingenieurinnen-Sommeruni im August.

Die Angebote gibt’s zwar nicht zum Nulltarif, aber wer wenig Geld hat, bekommt selbst die ermäßigte Gebühr noch erlassen – gegen ein paar Stunden Mithilfe beim Orgateam.

Die Universität Hamburg setzt in ihrer Sommerschule in der Zeit von Anfang bis Ende Juli ganz auf Physik: „Particles, Strings & Cosmology“ wird ergänzt um Stadtführungen und Theaterbesuche, um einen Berlin-Trip und Sprachunterricht. Schwerpunkte der Leibniz-Universität Hannover sind im Juli und August verschieden Sprachkurse.

Die Sommerakademie des Weiterbildungsstudiums „Gestaltende Kunst“ der Hochschule Bremen und der Hochschule für Künste bietet Seminare wie „Das Aquarell als Medium für die Erkundung der Stadt Bremen“ an – und das sind nur einige von unzähligen „Bildungs-Sommerferien“ an den norddeutschen Hochschulen.Harff-Peter Schönherr