heute in Bremen

„Intensives Kopfkino“

Lesung Martin Heckmann präsentiert Motive aus Werken von Edgar Allan Poe und Karl May

taz: Herr Heckmann, wie kommt die Lesung zu ihrem Namen?

Oh, das hieße ja, etwas aus dem Inhalt der Lesung zu verraten.

Wie gelingt es Ihnen als Profi, die Charaktere eines Hör­buches mit Leben zu füllen?

Früher habe ich mich – insbesondere wenn viele verschiedene Charaktere auftauchten, sehr akribisch auf die jeweiligen Rollen und Stimmlagen vorbereitet. Heute ist das anders: Heute muss ich den Charakteren nur die Zeit lassen, in mich einfließen zu können, dann können sie bei der Aufnahme oder der Veranstaltung umso lebendiger wieder aus mir herausfließen. Wenn mich jemand nach einer Technik fragt, weiß ich nicht wirklich, was ich antworten soll.

Martin Heckmann

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57, ist Sprecher, Schauspieler und Rezitator. Er verfasst Hörbücher, hält Lesungen und ist die Stimme in Fernseh- und Radiowerbespots auf vielen Kanälen.

Was fasziniert Sie besonders beim professionellen Sprechen?

Hörbücher aufzunehmen und Live-Lesungen zu gestalten, das ist für mich tatsächlich eine Leidenschaft. Davon zu leben, ist natürlich schwierig, so hilft es, wenn auch kommerzielle Projekte dazukommen. Mich fasziniert besonders, wenn ich die Hörer aus ihrer Alltagswelt entführen kann und ich die Figuren in den Geschichten zum Leben erwecken kann. Für meine Hörer kann das dann ein sehr intensives Kino im Kopf werden. Besonders liebe ich Geschichten, durch die die Charaktere wachsen und sich entwickeln.

Ist es eigentlich eher Talent oder vor allem viel Übung, das einen zu einem guten Sprecher macht?

Ohne ein gewisses Talent geht wohl gar nichts, aber es ist die jahrelange Routine und Erfahrung, die einem die große Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten an die Hand geben. Und eine geschulte Stimme, mit der man ein größeres Publikum ansprechen kann, ist natürlich auch nie verkehrt. Ich denke auch, dass eine gewisse Lebenserfahrung wichtig ist. Aus flacheren Geschichten kann ich heute sicherlich mehr herausholen als ich das mit Anfang zwanzig hätte tun können.

Gibt es bestimmte Werke, die Sie in Zukunft unbedingt einsprechen wollen?

Ich würde wirklich sehr gerne eines Tages mit Werken des argentinischen Schriftstellers Jorge Luis Borges arbeiten. Seine Texte begleiten mich schon sehr lange und stellen für mich eine geradezu unerschöpfliche Ideen­quelle dar.

Interview Philipp Nicolay

Beginn der Lesung um 20 Uhr in der Villa Sponte, Osterdeich 59 b, Eintritt frei