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Der türkische Präsident Erdoğan verfolgt nun auch Menschen türkischer Abstammung im Ausland. Doğan Akhanlı kommt am Sonntag frei

Portrait

Schreibt über Themen, die wehtun: Doğan Akhanlı Foto: dpa

Der verfolgte Schriftsteller

Doğan Akhanlı ist ein Mensch, den ich als friedliebend, sogar als Pazifisten kennen und schätzen gelernt habe. Er ist ein großer Menschenrechtler.“ Mit diesen Worten charakterisierte Günter Wallraff 2010 seinen Kölner Freund Doğan Akhanlı, nachdem dieser gerade in der Türkei festgenommen worden war.

Wallraff vermutete damals wohl zu Recht, dass Akhanlı genau dieses Engagement als Menschenrechtler und seine Bücher zum Völkermord an den Armeniern zum Verhängnis geworden waren. Als Doğan Akhanlı nach fast 20-jähriger Abwesenheit im Juli 2010 in seine Heimat zurückkehrte, um seinen todkranken Vater noch einmal zu sehen, wurde er noch auf dem Flughafen verhaftet. Die türkische Regierung wollte Doğan Akhanlı den Mund stopfen. Dazu benutzte sie ein uraltes Verfahren aus den 1990er Jahren, in dem Akhanlı vorgeworfen worden war, als Mitglied einer terroristischen Vereinigung 1989 gemeinsam mit anderen Verdächtigen eine Wechselstube überfallen und den Inhaber getötet zu haben.

Als der Prozess Anfang der 1990er Jahre stattfand, war Doğan bereits in Deutschland. Einer der damals Angeklagten sagte dann 2010 vor Gericht aus, er habe Doğan unter Folter nur deshalb genannt, weil er wusste, dass dieser bereits im Ausland war. Akhanlı wurde freigesprochen. Doch das Oberste Berufungsgericht hob 2013 den Freispruch auf.

Dass er nun sogar in Spanien im Urlaub dem langen Arm Erdoğans zum Opfer fiel, muss für Doğan Akhanlı wie ein Alptraum erscheinen. Seit dem Militärputsch im Jahr 1980 wird er von der türkischen Justiz verfolgt. Als Mitglied einer linken Organisation saß er Mitte der 1980er Jahre für zwei Jahre im Gefängnis. Deshalb floh er aus der Türkei, bekam Anfang der 1990er Jahre in Deutschland Asyl, wurde von der Türkei aus- und hier später eingebürgert.

Doch der im persönlichen Gespräch so sanftmütig wirkende Schriftsteller ist hartnäckig. Er arbeitet weiter an Themen, die wehtun. Er ist Mitglied von „Recherche International“, einem Verein, der sich die Aufklärung der Genozide des 20. Jahrhunderts zur Aufgabe gemacht hat. Akhanlı hat viel über den Völkermord an den Armeniern publiziert. Für sein Buch „Die Richter des jüngsten Gerichts“, das 2007 auch auf Deutsch erschien, wurde der Kölner mit einem Literaturpreis ausgezeichnet.

Jürgen Gottschlich