heute in Bremen

„Ein bisschen abschreckend“ groß

KONZERT Vier Schlagzeuger treffen auf Fotografien von Julia Baier, die in Island entstanden

taz: Warum passen Fotografie und Schlagzeug zusammen, Frau Baier?

Julia Baier: Die Musik ist sehr experimentell, meine Fotos sind es aber auch: Die Aufnahmen sind sehr rhythmisch und bewegen sich zwischen Fotografie und Film. Deswegen passt das Schlagzeug sehr gut.

Aber könnte es nicht auch jedes andere Instrument sein?

Das kann ich gar nicht sagen. Der Schlagzeuger Stefan Rapp, mit dem ich seit langem befreundet bin, kam auf mich zu – er hatte immer schon mal die Idee, Musik zu meinen Fotos zu machen und auf diese Art auf meine Bilder zu reagieren. Nun werden vier Schlagzeuger zusammen zu meinen Fotografien aus Island spielen, dazu ein Keyboarder und ein Gitarrist.

Spielen die Free-Jazz?

Der Rhythmus ist eher orientalisch, dazu kommen Jazz- und Rock-Elemente

Julia Baier

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46, ist Fotografin. Sie hat in Bremen studiert, war Mitglied der taz-Foto­redaktion und lebt heute in Berlin.

Was hat Sie persönlich an Island interessiert?

Primär ging es mir darum, Wasser zu fotografieren – das ist ja auch der rote Faden in meinen fotografischen Arbeiten. Dann aber fand ich auch die Landschaft extrem fotogen.

Der Titel „Eisige Bildwelten“ ist ja sehr klassisch, wenn es um Island geht. Die Fotos sind es eher nicht.

Die Arbeit heißt eigentlich „Northern Drifting“, „eisige Bildwelten“ heißt es nur auf dem Plakat. Mich hat die unwirkliche Landschaft Islands in den Bann gezogen, aber es sind keine klassischen Landschaftsfotografien. Mich interessiert die Brüchigkeit und Roughheit der Natur dort – sie ist faszinierend, aber auch ein bisschen unmenschlich und abschreckend. Durch die Technik des Smartphones entsteht am Ende aber ein neues Bild, das fast ins Poetische geht. Die Landschaft wird von der Kamera immer wieder zerstückelt oder Berge erscheinen doppelt. Diese Brüche haben mir gefallen: Sie haben mit der Realität nichts mehr zu tun, auch wenn sie so daher kommen, sie spielen mit unserer Wahrnehmung.

Warum haben Sie ein Smartphone statt der Spiegelreflexkamera benutzt?

Eine Landschaft abzubilden, so wie sie ist: Das will ich nicht. Und ich will auch nicht einfach schöne Panoramabilder machen. Das Fragile ist es, das mich interessiert. Das wäre mit dem klassischen Equipment nicht so möglich gewesen.

Ist das Zusammenspiel aus Fotos und Musik mehr als die Summe der einzelnen Teile?

Bestimmt! Es ist aber ein Experiment – ich kenne das Ergebnis selbst noch nicht. Ich bin gespannt und glaube, dass die Musik das Filmische der Fotos noch mehr betonen und man dadurch auch nochmal anders in die Bilder eintauchen kann.

Interview Jan Zier

19:30 Uhr, City 46, Birkenstraße 1