Hamburg, nicht Harvard

Exzellenz Drei neue Schulen für Nobelpreisträger in spe sollen ab nächstem Jahr in Deutschland eröffnen. Die Max Planck Schools setzen auf Spitze und Breite

Auch kleinere Unis wie die in Jena dürfen nun ihre Exzellenz beweisen Foto: Bodo Schackow/dpa

Aus Berlin Anna Lehmann

Solche Töne hat man in den Räumen des Bundesforschungsministerium lange nicht gehört: Mit der breit verteilten Exzellenz in Deutschland müsse man sehr viel selbstbewusster umgehen, so der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler, am Montag. „Wir sollten nicht immer nur auf die Rankings und Spitzeninstitutionen schauen.“

Zusammen mit dem Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft Martin Stratmann und Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) stellte Hippler drei neue deutsche Kaderschmieden für potenzielle Nobelpreisträger vor – die sogenannten Max Planck Schools. An ihnen sollen ab 2018 vielversprechende Talente aus dem In- und Ausland studieren und promovieren, unterrichtet von Koryphäen ihres jeweiligen Fachs. Für Stipendien wird der Bund jährlich 9 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

Das Besondere der Max Planck Schools: Sie werden nicht an einem Standort errichtet, sondern setzen auf Spitze in der Breite. Hinter den drei Schulen stehen Mitglieder von 21 Universitäten und 31 außeruniversitären Forschungsinstituten. Die Exzellenz in Deutschland sei breit verstreut und auch in kleineren Unis zu finden, so Bundesforschungsministerin Wanka. Die Max-Planck-Schulen würden herausragende Wis­sen­schaftler*innen vernetzen und Studierenden so signalisieren: „Sie sollen gleich nach Deutschland kommen, statt sich in Harvard einzuschreiben.“

Hinter den drei Max-Planck-Schulen stehen Mitglieder von 21 Universitäten

Bund und Länder haben sich in den vergangenen Jahren bei der Förderung von Spitzenforschung gern an angelsächsischen Eliteunis orientiert. Die milliardenschwere Exzellenz­ini­tiative war als Versuch gestartet, ein deutsches Harvard hervorzubringen, mittlerweile beschränkt sich der Bund darauf, forschungsstarke Universitäten zu unterstützen. Wanka betonte, das neue Instrument stehe nicht im Widerspruch zur Exzellenzstrategie, sondern ergänze diese.

Mit den Max Planck Schools werden nun auch Universitäten mit ins Boot geholt, die man nicht sofort als Elite abspeichert. Die Universität Jena etwa. Sie entsendet fünf Professor*innen in die Schule für Photonik. An dieser wird es unter anderem darum gehen, den 3D-Druck auszubauen. Die anderen beiden Schulen, die als Pilotprojekte starten, sind nicht ganz so anwendungsorientiert. An der Schule für Kognition werden sich die Fellows unter anderem der Frage zuwenden, wie wir denken, und an der Schule für Physik erforschen, wie Leben entsteht.

Die fachliche Zusammensetzung der Schools gehe weit über übliche ­Fakultätsgrenzen hinaus, so MPG-Präsident Stratmann, von dem die Idee ursprünglich stammt. Die Max-Planck-Gesellschaft, die bundesweit 80 Institute betreibt, liefert auch den Namen der neuen Marke. Die beteiligten Universitäten werden das Curriculum erarbeiten und die Titel verleihen. Details wie das Auswahlverfahren und ein gemeinsamer Auftritt sollen folgen. Stratmann will, dass es ein „wuchtiger Auftritt“ wird. 2023 werden die Schools evaluiert, um zu sehen, ob sie den Erwartungen gerecht werden. Wanka dämpfte diese gleich mal: „Cambridge in fünf Jahren, das geht nicht.“

Die SPD-Abgeordnete Simone Raatz sieht die Schools bereits heute kritisch. Statt Geld in Prestigeobjekten zu verplempern, sollte der Bund lieber die Grundfinanzierung der Hochschulen verbessern und damit auch die Personalplanung. „Die oft unsicheren Berufsaussichten an unseren Hochschulen und Forschungseinrichtungen stellen einen großen Standortnachteil dar.“