MUSIK

Musik wird nicht nur mit dem Ohr gehört, sondern sie wird auch mit der Haut, den Knochen, und all den Landschaften des Körpers wahrgenommen. Alle physischen Empfänger lassen sich am Donnerstag im Spektrum erkunden. „Sentire“, italienisch für zugleich hören und fühlen, bietet dort eine Erforschung des Hörsinns an. Während der Performance der SoundkünstlerInnen Marcello Lussana und Olga Kozmanidze werden BesucherInnen in individuellen Sessions an ein interaktives Soundsystem angeschlossen, mit denen sich die Klänge fühlen und körperlich beeinflussen lassen (Bürknerstr. 12, 14. 9., 19.30 Uhr).

Wer danach seinen Brustkorb von rhythmischen Subbässen massieren lassen möchte, sollte im Gretchen die Reihe der Noise-Dub-Dancehall-Legende The Bug besuchen. Der Titel sagt eigentlich schon alles: „Pressure“. Sein eigens mitgebrachtes Soundsystem wird die BesucherInnen in vibrierende Resonanzkörper auf dem Weg zur Katharsis verwandeln. Neben dem Briten performen das jamaikanische Experimental-Dancehall-Duo Equiknoxx Music, die für ihre hyperschnellen Lyrics bekannte britische MC Lady Chann und der Bristoler Neo-Dub-Chemiker Ossia (Obentrautstr. 19–21, 14. 9., 23 Uhr).

Nach einem geruhsamen Freitag – auch Ohren müssen sich erholen, lädt der Ambient-Musiker Michael McDermott am Samstag in das sympathische Ex-Squat Liebig12 zur „Sonic Meditation“-Session, die das, auf ein tieferes Bewusstsein für Klänge abzielende „Deep Listening“ mit Vipassana-Meditation verbindet. Herumliegen, lesen und schlafen erwünscht (Liebigstraße 12, 16. 9., 14–17 Uhr).

Wem das zu viel „cultural appropriation“ ist, sollte warten, bis das Ohm seine Tür öffnet. Dort empfangen die renommierten Berliner Dubstep + X-Veteranen Orson und Hops die letzten dreadhungrigen Genossen dieser techno-verwässerten Stadt zu ihrer Version Labelnacht. Eingeladen sind Clara Badu und Special Guest Yak aus Sheffield. Dessen jüngste, auf Version veröffentlichte 12-inch „Mido/Darunia“, eine kinetische Melange aus polyrhythmischen Percussions und gebrochenen Bassdrums, sind der perfekte Kontrapunkt zu den radikal entschleunigten Tracks des Labelchefs (Köpenicker Str. 70, 16. 9., 0 Uhr).

Kontraste, heiß oder kalt, schnell oder langsam, laut und leise, sind seit jeher auch die Essenz des Free Jazz. Dass Improvisation und Dekonstruktion auch eine Befreiung von ästhetischen, sozialen und ethnischen Grenzen sind, erzählt der Film „New York Eye and Ear Control“ von Michael Snow von 1964, der im Acud Kino gezeigt wird (Veteranenstraße 21, 19.9., 19.30 Uhr). Hier lässt sich Musik sogar mit dem Auge hören.