Andreas Speit
Der rechte Rand

Wie Rechtsextreme Graswurzelarbeit betreiben

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Auf der Webseite von „Ein Prozent für unser Land“ blinken orange Punkte. Auf einer interaktiven Landkarte der Bundesrepublik hat der Verein um Philip Stein die unterschiedlichsten Organisationen hinterlegt. Im Norden sind es zehn Gruppen und Foren. Sie alle eint der „patriotische Protest gegen die verantwortungslose Politik der Masseneinwanderung und die stetig wachsende Kluft zwischen regierender Klasse und dem eigentlichen Souverän“.

Mit diesem „Bürgernetzwerk“ will der Gründer des neu-rechten „Instituts für Staatspolitik“ (IfS), Götz Kubitschek, die „deutschlandweiten Widerstandsbemühungen“ vernetzen, um eine „wirkmächtige Gegenbewegung“ aufzubauen. Schon im September 2015 erklärte er bei einer Veranstaltung des weit rechts stehenden „Compact Magazins“ von Jürgen Elsässer, dass „eine breite Lobby für Deutschland“ dringend geboten sei – ein „Greenpeace für Deutsche“.

Neben Elsässer und Stein gehören auch Hans-Thomas Tillschneider, AfD-Landtagsabgeordneter in Sachsen-Anhalt, und Karl Albrecht Schachtschneider, Präsidiumsmitglied des Studienzentrums Weikersheim, zu den Gründern. Wenn den Angaben des Vereins geglaubt werden darf, hat er 40.000 Unterstützer. Über die Webseite erreicht er monatlich 500.000 Menschen. 2016 hat er 166.000 Euro an Spenden eingenommen – Geld, mit dem er auch die rechtsextreme Identitäre Bewegung unterstützt.

Auf der interaktiven Deutschlandkarte stehen für den Norden Kontakte in Hamburg, Bremen, Oldenburg, Hannover, Celle, Lüneburg, Braunschweig, Hildesheim, Hameln und Osnabrück. Sie reichen vom „Bürgerprotest Hannover“ über die „Mutbürger Celle“ bis zur „Refugee Crime Map – Hamburg“. Vier der Gruppen gehören der IB an.

Andreas Speitarbeitet als freier Journalist und Autor über die rechte Szene nicht nur in Norddeutschland.

Im vergangenen Jahr unterstützte „Ein Prozent“ auch den ehemaligen „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“, der NPD-Kader und Kameradschaftsanhänger vereinte. Das Netzwerk verspricht, die einzelnen Projekte organisatorisch und medial zu unterstützen, sodass sie besser „in die Mitte der Gesellschaft“ ausstrahlen könnten.

Nach den Auseinandersetzungen um den G20-Gipfel in Hamburg betont „Ein Prozent“ ein weiteres Anliegen: den Kampf gegen Links. Der Verein bezweifelt, dass die Gewaltorgien etwas an der Schützenhilfe für linksextreme Strukturen durch Politik und Medien ändern werden. „Hier können nur wir selbst tätig werden“, stellt er fest. „Wir müssen berichten, aufklären und die Geldflüsse der Extremisten analysieren.“ Daran knüpft er die Aufforderung „Helfen Sie uns dabei!“ – und erbittet Spenden.