Wachsende Schule

Mehr Schüler, mehr Lehrer, weniger Abiturienten: eine gemischte Schuljahresstatistik. Die Inklusion senkt die Schülerzahl an Sonderschulen, die Zahl zugewanderter Schüler sinkt

Stadtteilschulen sterben nicht aus, haben aber weiterhin ein Akzeptanzproblem Foto: Christian Charisius/dpa

Von Sven-Michael Veit

Es werden immer mehr. Mehr SchülerInnen an Hamburgs Schulen und auch mehr LehrerInnen hat die Schulbehörde im laufenden Schuljahr ermittelt, und deshalb mildern sich auch die ideologischen Verteilungskämpfe vor allem zwischen Gymnasien und Stadtteilschulen. Von einem langsamen Aussterben der Stadtteilschulen kann jedenfalls acht Jahre nach der Schulreform von 2009 keine Rede sein.

Im Schuljahr 2017/18 ist die Zahl der SchülerInnen an den allgemeinbildenden Schulen in der Hansestadt auf 195.176 gestiegen. Das seien 2.340 mehr als im vergangenen Schuljahr, sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Dienstag im Rathaus bei der Vorstellung der Schuljahresstatistik. Eine Ursache des Wachstums sind Gastschüler aus Schleswig-Holstein, deren Zahl von 1.493 auf 2.045 wuchs. Die Zahl der geflüchteten oder zugewanderten SchülerInnen hat dagegen um ein Siebtel abgenommen.

An den allgemeinbildenden Schulen gibt es zurzeit 13.665 Lehrerstellen und damit 474 mehr als im vergangenen Schuljahr. Darunter sind 298 SonderpädagogInnen, die jetzt als LehrerInnen geführt würden. Die Quote der AbiturientInnen sank von 55,5 auf 52,7 Prozent. 9.038 SchülerInnen erwarben im Schuljahr 2016/17 die allgemeine Hochschulreife, nach 9.420 im Jahr davor. 896 SchülerInnen (5,2 Prozent) verließen die Schule ohne Abschluss.

Die klar größte Schulform bleibt die Grundschule mit 72.097 SchülerInnen (+ 334). Die Stadtteilschulen besuchen 60.970 SchülerInnen, das sind 1.480 mehr als in dem Schuljahr zuvor. Durch diesen Zuwachs vergrößern die Stadtteilschulen, an denen das Abitur nach neun Jahren erreicht werden kann, ihren Vorsprung vor den Gymnasien. Sie haben aktuell 55.905 SchülerInnen und damit 659 mehr als 2016/17.

Wegen verbesserter Inklusionsangebote an allen Schulen sinken einzig die Schülerzahlen an den Sonderschulen. Diese Schulform besuchen zurzeit 4.512 SchülerInnen und damit 137 weniger als im vorhergehenden Schuljahr.

82,7 Prozent der Grundschüler nehmen an der Ganztagsbetreuung teil, das heißt, sie bleiben von 8 bis 16 Uhr in der Schule. 40,5 Prozent gehen auch in den Ferien im Schnitt 6,1 Wochen zur Schule. „Das ist schon eine Ansage, die auch bundesweit für Nachdenken gesorgt hat“, sagte Rabe. Er freue sich, dass in dem neuen Koalitionsvertrag der Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung aufgenommen worden sei.

Während die Schülerzahlen stiegen, „hinkt der Senat beim Schulbau meilenweit hinterher“, kritisierte die schulpolitische Sprecherin der CDU, Birgit Stöver. Zudem müsste er sich um die SchülerInnen kümmern, die wegen der geplanten Schließung von fünf katholischen Schulen nicht mehr dort unterkommen könnten.

„Senator Rabe legt wieder einmal keine Schulentwicklungsplanung vor, die tatsächliche Bedarfe in der Stadt berücksichtigt“, findet auch die Fraktionsvorsitzende der Linken, Sabine Boeddinghaus. Zudem sei die weiterhin „fehlende Akzeptanz und Unterstützung der Stadtteilschulen ein Problem“.