Künstlerhaus Bethanien

Malerei, wie sie sein kann: Aneta Kajzer und Manuel Stehli quer durchs Bethanien

Aneta Kajzer / Manuel Stehli, „Out of Touch / Our of Time“, Ausstellungsansicht Foto: Manuel Stehli

Aus welcher Zeit Aneta Kajzers farbenschwere Wesen auf diesen Planeten gefallen sind, lässt sich nicht genau timen. Und wo genau Manuel Stehlis einsame Figuren sich aufhalten, schon gar nicht. Diese Zeit- und Ortlosigkeit zieht umso tiefer in die Assoziationen und Gefühle hinein, die die unterschiedlichen Malstile der beiden offen legen. Und sie führte auch zur wunderbaren Doppelschau „Out of Touch / Out of Time“ in der sich „Out of Touch“ eben nicht nur Kajzer und „Out of Time“ nicht nur Stehli zuordnen lässt. Die Diagonale des Schrägstrichs, der in der Grammatik trennen, aber auch noch enger zusammenziehen kann, haben Kajzer und Stehli in der Anordnung ihrer Gemälde in Foyer und 1. Stock im Künstlerhaus Bethanien als Achse im Raum beibehalten. Nach Kajzer durchläuft zurzeit Stehli die Winsor & Newton Residency am Haus. Über dem Treppenaufgang hängt sein Ölgemälde „Ohne Titel (Liegender Mann I)“: Ein Mann, auf ein Kissen gebettet, in das sein Kopf förmlich einsinkt. Die Schwere des Schlafes, sie wirkt riskant. Da ist keine Bettdecke; die Raumecke, in die die nackte Matratze geschoben ist, schützt nicht, es gibt nur Licht und keine Schatten. Und wenn da ein Schatten ist, wie auf „At the door“, das einen Mann von hinten zeigt, schmiegt sein Schatten sich merkwürdig vor ihn. Die Leere auf Stehlis Szenen ist frappierend. Umso dichter liegt die Farbe auf Kajzers Werken beieinander. Sie bildet den Nährboden im Arbeitsprozess der Malerin: ohne Vorkonzeption erzeugt sie zunächst Formen und Fragmente, aus denen sich nach und nach Figuren abzeichnen. Auf „I’ve got no brain baby“ (2017) trieft einem lila Gorilla die Farbe vom Kinn, das Gehirn schwebt im Hintergrund davon. Kajzers pointierter Humor auch im Foyer: Stellt man sich quer zum Rahmen von „Twist“ auf, ragt da eine Hundenasenspitze quer in den Raum. nym

Bis 25. 3., Di.–So. 14–19 Uhr, Kottbusser Str. 10; 15. 3., 19 Uhr: „who is afraid of red, yellow and blue? Vier Perspektiven zum Thema Farbe“, Panel mit Carsten Fock, Katharina Martinelli, Karen David, Christoph Tannert