Jörn Kabisch Angezapft

Diese Engländerin kommt aus Leipzig

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Als ich dieses Bier im Laden aus dem Regal nahm, sagte mein Händler: „Man kann Brauern nur raten: Füllt euer Craft Beer endlich in 0,5-Liter-Flaschen und klebt am besten noch ein Tier vorne drauf.“ Aus seiner Sicht haben die Macher von Weiße Elster beim Äußeren schon alles richtig gemacht. Craft Beer in großen Gebinden ist ziemlich selten. Stößt man ausnahmsweise auf eine Halbliterflasche, vermutet man da schon mal auf ein besseres Preis-Leistung-Verhältnis. Unterstützt wird das auch noch durch den Satz „Craft Beer für alle“ auf dem Etikett. Und so ein Vogelkopf hebt den Wiedererkennungswert enorm.

Eigentlich ist die Weiße Elster aber gar kein Gefieder, sondern einer der drei Flüsse, die Leipzig durchqueren. Und hier kümmern sich Jann und Cathrin von der Brelie seit fünf Jahren um Hopfen und Malz, anfangs mit einer Bierbar, dem Goldhopfen, wofür sie schnell auch Bierkreationen entwickelten. Brauen lassen sie in zwei Familienbetrieben in der Region. Eine davon ist die Brauerei Reichenbrand in Chemnitz. Hier entsteht das Pale Ale für die Flaschenabfüllung. Der Betrieb wird trotz der Verstaatlichungspolitik zu DDR-Zeiten heute in fünfter Generation von der Familie Bergt betrieben, aber das ist eine andere Geschichte.

Die Brauerei verwendet noch offene Tanks für das klassische Verfahren mit obergäriger Hefe – eine nur noch selten angewandte und vor allem in Franken anzutreffende Methode, die aber oft für eine interessantere Perlung und ein feineres Aromenspiel sorgt. Ihre Biere lässt die Weiße Elster hier anschließend bis zu elf Wochen kalt reifen, sie bleiben naturtrüb und werden nicht pasteurisiert.

Bei einer so langen Reifezeit baut das Bier aber selbst viele Trübstoffe ab, das Pale Ale fließt deshalb ziemlich klar ins Glas, die lebendige Schaumkrone bleibt lange stabil. Es riecht würzig, ein Hauch von Mango und Grapefruit fliegt in die Nase. Auf der Zunge geraten die fruchtigen Aromen schnell ins Off, es übernimmt eine kantige, leicht salzige Bitterkeit. Der überwiegende Eindruck: sehr mineralisch. Gleichzeitig hinterlässt die Kohlensäure ein anhaltendes Bitzeln am Gaumen, was mich an das gute alte Knallbrausepulver erinnerte – und ich füge hinzu: schmunzeln ließ.

Ein Craft Beer für alle, wie auf dem Etikett angekündigt? Ohne Frage. Pale Ale ist ein britischer Bierstil, auf der Insel sagen sie dazu lieber Bitter. Und das ist Leipziger Bier: angenehm knisternd-bitter.