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Die große globale Musikfamilie

„Trace“ hat als TV-Sender, Onlinepräsenz und Radiosender Schwerpunktprogramme für afrikanische Musik entwickelt. Lateinamerika und Japan sollen folgen

„Als wir vor etwas mehr als 15 Jahren an den Start gingen, haben wir daran geglaubt, dass ‚Urban‘ ein globaler Trend werden würde“, erklärt Olivier Laou­chez, einer der Gründer, Anteilseigner und Geschäftsführer der Musikplattform Trace, die TV-Sender, Onlinepräsenz und ­Radiosender zugleich ist. Der ehemalige Radiomoderator mit Wurzeln in Martinique wollte damals ein Forum für HipHop, R&B, Pop, Grime und karibische Musik schaffen, „weil es sie zu dieser Zeit praktisch nicht gab“.

Mittlerweile gilt sein Unternehmen als die wichtigste Plattform für „Urban Entertainment“: mit 21 kostenpflichtigen TV-Kanälen, 6 FM-Radiostationen, über 30 digitalen und mobilen Diensten plus etlichen abrufbaren Extraproduktionen. 60 Millionen TV-Abonnenten und insgesamt 200 Millionen Zuschauer, Hörer und mobile Nutzer aus 160 Ländern hat man laut Sender inzwischen. Der Medienkonzern selbst beschreibt sich als „die führende Jugendmedienmarke in Subsahara-Afrika und die afro-urbane Medienmarke in Frankreich, der Karibik und dem Indischen Ozean“.

Dabei sieht der Trace-Chef „Urban Music“ als „eine große Familie“: „Da gibt es globale, aber auch lokale Trends, Künstler wie beispielsweise Nicki ­Minaj, Drake oder Kendrick Lamar sind natürlich weltweit erfolgreich. Aber wenn wir etwa über Wizkid oder Simon Kassa sprechen, so sind sie zwar nicht ganz so angesagt, haben aber auch rund um den Globus ihre Fans.“

Das ist der Grund, warum Trace diverse Kanäle konzipiert hat, um die unterschiedlichen Vorlieben abzubilden: zum Beispiel Trace Naija mit Schwerpunkt Afrobeats oder Trace Mziki, den größten Musiksender Ostafrikas. Weitere Projekte werden zurzeit entwickelt: Trace Latina und die Ausstrahlung von drei Kanälen in Japan.

„Letzten Monat haben wir Trace Kitoko in der kongo­lesischen Sprache Lingala gestartet“, berichtet Laouchez weiter, „der Kongo hat über 85 ­Millionen Einwohner, und über die Hälfte der französischen HipHop-Stars stammt von dort.“

Auch wenn sich das Hauptquartier von Trace in Paris befindet, steht beim Unternehmen die regionale Ausrichtung ganz oben, mit Büros in London, den USA, im frankophonen Afrika und Johannesburg.

„Jedes Land hat da seine eigene Identität, Deutschland ist nicht wie Frankreich. Auch wenn es gewisse Grundregeln gibt, muss das Angebot für jedes Land einzeln konzipiert werden“, erklärt der Trace-Chef die Strategie. Für den Start von Kitoko etwa wurde in Kinshasa eine große Party veranstaltet und eine aufwendige Doku über Papa Wemba, den vor zwei Jahren verstorbenen kongolesischen Superstar, produziert. Der Kongo ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie Trace mit dem manchmal schwierigen Thema Politik umgeht. Dort herrscht das umstrittene Regime von Präsident Joseph Kabila. „Wir lassen jedem Künstler die Freiheit, das zu sagen, was er will, aber wir selbst wollen nicht in Politik involviert sein“, bekennt Laouchez, „wir fordern eine bessere Welt, aber was haben wir davon, wenn unsere Sender geschlossen werden?“

Afrika schätzt das Trace-Management als gigantischen Wachstumsmarkt ein. Zurzeit repräsentiert der Kontinent nur 2 Prozent des globalen Musikbusiness. Trace wird im Juni auf einer der bedeutendsten Musikmessen der Welt, der Midem in Cannes, das afrikanische Forum veranstalten, um Talente, kreative Lösungen sowie lokale und internationale Monetarisierung voranzubringen.

In Deutschland können die Trace-Sender über Amazon und über die Website des Senders selbst abonniert werden (trace.tv). Trace Urban ist im Telekom-Angebot Entertain sowie über Kabel Baden-Württemberg zu empfangen.