Jörn Kabisch Angezapft

Annäherungsbier an belgische Braukunst

Foto: privat

Süßlich und spürbar alkoholisch, so schmecken viele Biere aus Frankreich und Belgien. Zwei sehr traditionelle Bierstile, die sich aktuell bei unseren Nachbarn wieder im Aufwind befinden, sind Amber und Blonde, also Dunkles und Helles.

Die sind nichts für jeden Geschmack. Bisweilen wird Kandiszucker mit in den Sud gegeben – für die Farbe, aber auch für eine ins ­likörhaft gehende Öligkeit. „Kopfschmerz“ ruft der deutsche Gaumen bei den ersten Trinkversuchen. Dabei sind Blondes im frankophonen Raum Alltagsbiere, die bekanntesten stammen von Leffe, Grimbergen oder Duvel.

Ich finde es bemerkenswert, wenn sich eine deutsche Brauerei mal an einem solchen Bierstil versucht – und nicht, wie fast alle anderen momentan, in die vom Hopfen geprägte anglo-amerikanische Bierwelt eintaucht, die vom Indian Pale Ale angeführt wird.

Dabei ist einer der Pioniere nicht mal ein kleiner Player: Es handelt sich um die Flensburger Brauerei mit einer Produktion von über 550.000 Hektoliter Bier im Jahr, das bis nach China exportiert wird. Die neue BrauArt-Linie von der Förde widmet sich nun also den zwei Klassikern der gallischen Bierkultur: Amber und, worum es hier gehen soll, Blonde.

Keine Angst, man muss kein Kenner sein, um das BrauArt Blonde zu genießen. Es ist ein sehr ausgewogenes und für den auf Pils oder Helles eingestellten Gaumen anschlussfähiges Bier. Doch wenn man die Charakteristik dieses Stils kennt, ist der Genuss noch ein anderer. Ein Blonde ist ein obergäriges Bier und wird mit dunklerem Malzen eingebraut als deutsche helle Biere. Das gibt mehr Körper, auch mehr Alkohol, meist um die 8 Prozent. Sein Aroma ist malzbetont, leicht fruchtig bis moderat würzig, der Hopfencharakter ist nur leicht ausgeprägt.

BrauArt Blonde, Flensburger Brauerei, 6,1 % Vol.

Das Flensburger Blonde entspricht dieser Machart: Es fließt orange ins Glas, der Schaum entwickelt sich üppig-cremig, bleibt aber nur kurze Zeit auf dem Bier stehen. Auch der Malzcharakter ist biskuithaft, mit leichten Anklängen von Pfirsich.

Es gibt aber auch ein paar Extravaganzen. Einmal ist das BrauArt Blonde deutlich weniger alkoholisch und nicht ganz so süß und deshalb angenehm süffig, quasi ein Annäherungsbier an die Welt der belgischen Braukunst. Und es erzählt eindeutig, dass Weizenmalz mit im Spiel war, nämlich durch einen typischen bitteren Nelkengeschmack, es hat auch etwas Ätherisches, das man vielleicht von US-Kaugummis kennt.

Man könnte das Blonde auch als verkappten Weizenbock bezeichnen. Nicht unangenehm, aber anders.