„Zwei Semester sind zu wenig“

Bachelornote, Auswahlgespräch, Studienort: Der Weg ins Masterstudium kann von vielen Faktoren abhängen. Und eine Garantie für gute Jobs bedeutet der Abschluss auch nicht – auf manchen Feldern ist Praxiserfahrung wichtiger

Von Joachim Göres

Mehr als 80 Prozent der Bachelor-Absolventen streben einen Masterabschluss an. Ihnen werden in Deutschland zurzeit 8.984 Masterstudiengänge angeboten – Zahlen, die kürzlich auf der „Master-Messe“ in Hannover präsentiert wurden. Die Qual der Wahl sei dabei gar nicht das Hauptproblem, sagt Elke Fahl, Studienberaterin an der Hochschule Hannover: „Wer zu mir kommt, hat sich meist bereits für einen Masterstudiengang entschieden. Sie wollen wissen, wie sie dort auch tatsächlich reinkommen.“

An dieser Hochschule hängen die Chancen stark vom Studiengang ab: Bei den Ingenieuren kamen in den vergangene Jahren im Schnitt drei Bewerber auf einen Platz, im Fach Maschinenbau waren es sechs, im Fach Kommunikationsmanagement gar zehn. Wie viele Interessierte aber leer ausgehen, ist nicht ganz klar: Sie bewerben sich häufig bei mehreren Hochschulen und Universitäten gleichzeitig.

In den meisten Masterstudiengängen an der Hochschule Hannover spielt die Bachelor-Note mit 75 Prozent die Hauptrolle – bei gleicher Note kann dann aber der Eindruck bei einem Auswahlgespräch ausschlaggebend sein. Meist gibt es keine Mindestnote als Zulassungsvoraussetzung, dafür muss im Zuge des Bachelorstudiums aber eine bestimmte Zahl von Creditpoints erreicht worden sein; teilweise ist auch ein Motivationsschreiben oder Berufspraxis nötig.

Für alle „konsekutiven“ Master-Studiengänge, die also aufbauen auf einem Bachelor, ist der einschlägige Bachelor-Abschluss Zulassungsvoraussetzung. An der Hochschule Hannover etwa ist fürs Masterstudium Fernsehjournalismus ein Bachelor in Kommunikations- oder Medienwissenschaft ein Muss.

„Die Zahl der Masterplätze wird bei uns erhöht“, so sucht Studienberaterin Fahl Bewerber*innen Mut zu machen. „Die meisten beginnen ihr Masterstudium direkt nach dem Bachelor und bleiben so im Stoff“, sagt Rouven Sperling. Er berät Studierende an der Technischen Hochschule im brandenburgischen Wildau und ist zudem Vorsitzender des „Career Service Netzwerk Deutschland“: Darin sind Studienberater*innen zusammengeschlossen, die Menschen am Ende ihres Studiums unter anderem auch beim Übergang in den Beruf unterstützen. In seinen Augen könne auch eine einjährige Pause „sinnvoll sein – das hat oft den Vorteil, dass Studierende zum Beispiel durch Praktika genauer wissen, was sie wirklich wollen und welcher Master geeignet ist.“ Diesen Abschluss hingegen „erst nach mehrjähriger Berufstätigkeit zu machen, wird immer schwieriger“.

Der Berater plädiert für einen Bachelor mit sieben bis acht Semestern, um sich ein breites Grundlagenwissen zuzulegen und genügend Zeit für Wiederholung und Anwendung zu haben. Einen darauf aufbauenden zweisemestrigen Master lehnt er ab: „In dieser kurzen Zeit kann man keine neuen Inhalte vermitteln. Der Master über vier Semester ist sinnvoller.“ Dabei betont er auch, dass der Master nicht etwa die Garantie für eine Stelle sei. Denn neben dem Fachwissen sei Praxiserfahrung wichtig. „Wer Informatik studiert, der hat auch mit einem Bachelor kein Problem“, so Sperling. „Selbst Studienabbrecher sind auf dem Arbeitsmarkt begehrt.“

Was die erwarteten Mindestnoten in Masterstudiengängen mit vielen Bewerbern angeht, Wirtschaftswissenschaften etwa, verändert sich die Lage von Jahr zu Jahr. Dabei gibt es Sperling zufolge große Unterschiede von Ort zu Ort, Berlin sei sehr viel gefragter als Cottbus. Der Studienwechsel sei eine Möglichkeit, um sich zu spezialisieren, sagt Sperling. „Dadurch kann man möglicherweise seine Berufschancen erhöhen.“