Der ultimative Büchnerpreis

Notizbuch: Für seinen Roman „Der englische Patient“ ist Michael Ondaatje gerade mit dem Golden Man Booker Prize ausgezeichnet worden. Warum in Deutschland diese Anregung nicht aufnehmen?

Der Man Booker Prize, vergeben an das angeblich beste englischsprachige Buch der Saison, ist fünfzig Jahre alt geworden. Um das zu feiern, haben sich die Verantwortlichen etwas Besonderes ausgedacht: den Golden Man Booker Prize, ausgewählt aus den bisherigen Preisträgern. Gewonnen hat ihn Michael ­Ondaatje, für seinen Roman „Der englische Patient“. Fünf SchriftstellerInnen hatten eine Shortlist aus fünf Titeln erstellt, wobei die fünf Plätze den fünf Jahrzehnten des Bestehens des Preises zugeordnet waren. Dann wurde im Internet abgestimmt. Jeder konnte mitmachen.

Der Preisträger soll es bei der feierlichen Verkündung sehr gut gemacht haben. „Der englische Patient“ sei das Buch, das ihm Freiheit gegeben habe, so wird Michael Ondaatje zitiert. Im August kommt übrigens „Kriegslicht“, der aktuelle Roman Ondaatjes, in deutscher Übersetzung heraus.

Warum nicht einem verdienten deutschsprachigen Autor auch so eine Gelegenheit geben – zumal in einem Jahr, in dem es bekanntlich keinen Literaturnobelpreis geben wird! Nun gut, der Deutsche Buchpreis wird erst seit 2005 vergeben. Da den Preisträger der Preisträger zu bestimmen, wäre läppisch (aber sich das Datum 2055 vormerken kann man ja schon mal). Doch wie wäre es mit dem Büchnerpreis? Den gibt es in der aktuellen Form seit 1951. Das passt. Ein Vertreter pro Jahrzehnt – also Benn oder doch lieber Max Frisch für die Fünfziger, unbedingt die Bachmann und nicht den Grass für die Sechziger, auf jeden Fall Handke für die Siebziger (trotz der beiden anderen Kandidaten Uwe Johnson und Thomas Bernhard) und so weiter –, und bestimmt wird dann im Netz diskutiert und abgestimmt, was das Zeug hält.

Bleibt die Frage des Namens: Goldener Büchnerpreis? Eher nicht. Ultimativer Büchnerpreis? Schon eher. Werte Akademie für Sprache und Dichtung, übernehmen Sie! drk