heute in bremen

„Unrecht erkennen, vor Ort und global“

Interview Alina Götz

taz: Frau von Gregory, Ihre Ausstellung heißt „Bremen – Stadt der Menschenrechte“. Ist der Titel eher Appell oder Bestandsaufnahme?

Witha Winter von Gregory: Es geht darum, Menschen anzuregen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Auch in Bremen haben wir viele Möglichkeiten, die Menschenrechte weiter umzusetzen, allein im Bereich Bildung.

Wie meinen Sie das?

Meine Intention ist vor allem, junge Leute heranzuführen. Im heutigen Schulsystem ist die Zeit knapp. Es bleibt manches auf der Strecke, was früher vielleicht über Ehrenamt vermittelt werden konnte. Im Kleinen lässt sich so viel tun! Ich habe neulich Turnschuhe für meinen Enkel gekauft – da habe ich mich sehr wohl erkundigt, wo die herkommen.

Warum liegt Ihnen das Thema Menschenrechte so am Herzen?

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist eines der wichtigsten Werke, um immer wieder Unrecht und Ungleichheiten zu erkennen. Vor Ort und global. Dennoch müssen wir auch die Lücken zeigen, die seit 1948 deutlich geworden sind, etwa Umwelt und Klima, Frauen. Die Erklärung muss neu interpretiert werden.

So wie es die neueren Nachhaltigkeitsziele der UN tun?

Genau. Darin werden Menschenrechte mit Umweltschutz verbunden.

Wie thematisieren Sie Menschenrechte in Ihrer Ausstellung?

Wir haben Bremer und Bremerinnen zu jeweils einem Artikel der Menschenrechtskonvention interviewt, beispielsweise den Rechtsanwalt Bernhard Docke, Ida Fink aus dem Mütterzentrum Osterholz-Tenever oder auch Hans Koschnik. Zudem informieren wir über Nachhaltigkeits- und Menschenrechtsthemen wie Biodiversität oder Nahrung, die wir hier in Bremen umsetzen. Wir wollten zeigen, was es in Bremen gibt und wer sich engagiert. Natürlich können wir davon nur einen kleinen Teil darstellen.

Und was setzen Sie in Bremen um?

Im Rahmen des Projektes „Bremen – Stadt der Menschenrechte“ veranstalten wir, der Verein „Freundeskreis Garten der Menschenrechte“, eine Vortragsreihe im Haus der Wissenschaft. Im Dezember wird die Abschlussveranstaltung in der Bürgerschaft stattfinden. Parallel dazu haben wir diese Ausstellung konzipiert, die schon seit einigen Monaten durch Bremen wandert. Alle Ausstellungstafeln sind nachhaltig konstruiert, also nicht aus Plastik, sondern aus Naturmaterialien. Da wollten wir auch Vorreiter sein, alles andere wäre bei unserem Thema unglaubwürdig. Die UN-Menschenrechte jähren sich zum 70. Mal. Wir wollen immer wieder aktivieren und informieren.