heute in bremen

„Bei uns wackeln die Gläser“

Interview Alina Götz

taz: Herr Hermening, sind Sie selber vom Bahnlärm an der Stolzenauer Straße betroffen?

Jörn Hermening: Ich wohne drei Kilometer weiter, also nicht direkt an der Stolzenauer Straße. Aber auch hier ist die Bahnstrecke laut zu hören. Da wackeln die Gläser! Und bei uns im Ortsamt schaue ich auch auf die Gleise.

Heute wird ein Gutachten vorgestellt, in dem neue Schallschutzmaßnahmen erörtert werden. Was erwartet die Anwohner*innen?

Ich lerne das Gutachten selber heute erst kennen. Ich bin gespannt! Bisher gab es ja für die Eigentümer der Häuser die Möglichkeit, Schallschutzfenster zu beantragen. Jetzt soll mehr kommen. Eine Lärmschutzmauer ist aber zum Beispiel schwierig, weil sich hier die Bahnstrecke nach Hannover und Osnabrück teilt und die Gleise so auf mehreren Ebenen liegen. Und ein Drittes für den Güterverkehr steht ja zur Debatte.

Tut sich hier was, weil sich die Bürger*innen so außerordentlich engagieren?

Ich bin ein großer Freund von Bürgerbeteiligung. Und die Anwohner sind hier sehr gut organisiert. Aber in diesem Fall liegt es wohl eher daran, dass die Bahn sich quasi freiwillig dazu verpflichtet hat, Maßnahmen zu ergreifen. Das ergibt sich aus Berechnungskriterien, wie die Zahl der Betroffenen und Dezibelmessungen. Damit fallen wir in das sogenannte Freiwillige Lärmsanierungsprogramm der Bahn.

Was ist Inhalt dieses Programms?

Das Programm hat der Bund aufgelegt, es regelt Lärmschutzmaßnahmen für bestehende Schienenstrecken. Bei Neubaustrecken sind die Kriterien viel strenger, aber das hilft den betroffenen Einwohnern hier ja nicht.

Seit wann beschäftigt Sie das Problem?

Solange ich denken kann, ist das Thema auf der Tagesordnung. Und das zieht sich ja ganz durch bis in die Innenstadt. Aber hier in der Stolzenauer Straße wohnen sehr viele Leute in Mehrparteienhäusern. Hemelingen ist in der Hinsicht schon ein schwer belasteter Stadtteil. Wir sind nicht nur durchschnitten von der Bahnstrecke, sondern liegen auch in der Einflugschneise des Flughafens und an der A1, über die das Mercedes-Werk beliefert wird. Je nach Windrichtung hören wir das auch alles. Und dass das wegen des ganzen Feinstaubs gesundheitsschädlich ist, ist ja inzwischen wohl bewiesen.