Könnte besser laufen

Auf der Sondersitzung der Gesundheitsdeputation ging’s um die Umsetzung der Psychiatriereform. Fazit: Alle sind engagiert, aber es muss deutlich schneller vorangehen

Zwei Konstanten gibt es in der Diskussion über die 2013 einstimmig in der Bürgerschaft beschlossene Psychiatriereform: Die Begeisterung über das gemeinsame Engagement aller Beteiligten – und das ritualisierte Herumhacken auf dem Klinikum Bremen Ost (KBO) und der Gesundheit Nord (Geno). Letztere stehen im Verdacht, sich der geforderten Regionalisierung und Ambulantisierung zu widersetzen und stattdessen durch die Einrichtung von Spezialstationen, etwa für Psychosen, Tatsachen zu schaffen, die dem Bürgerschaftsbeschluss eigentlich zuwiderlaufen.

Die Kritik an der Geno wie auch dem KBO und das Misstrauen gegenüber der Führung reißt daher nicht ab – auch wenn Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brand (SPD) am Ende der Marathon-Sondersitzung der Gesundheitsdeputation doch indirekt darum bat, im Sinne einer guten Zusammenarbeit das ständige KBO-Mobbing künftig zu unterlassen.

Zusammengetreten war die Gesundheitsdeputation, um eine Zwischenbilanz zu ziehen: Was ist seit dem Bürgerschaftsbeschluss 2013 passiert, und wohin soll die Reise künftig gehen? Das, was an der Bremer Psychiatriereform immer alle so loben, nämlich die engagierte Zusammenarbeit nicht nur zwischen den Parteien, sondern allen beteiligten Akteuren, ist dabei vielleicht auch das größte Problem: Alle sind wahnsinnig engagiert, aber so richtig kommt nichts voran. So zumindest konnte man das Fazit verstehen, das jene Akteure auf der Sondersitzung der Gesundheitsdeputation am Donnerstagnachmittag zogen.

Der Psychiatriereferent im Gesundheitsressort, Jörg Utschakowski, referierte zunächst den aktuellen Stand der Dinge: So ist unter anderem eine Begleitgruppe ins Leben gerufen worden, in der Leistungserbringer, Betroffene und Angehörige gemeinsam die Umsetzung der Reform diskutieren. Projekte wie der Einsatz von Genesungsbegleitern, so Utschakows­ki, seien bislang ebenfalls sehr erfolgreich.

Die Reaktionen auf die Umsetzung der Reform sind eher verhalten: „Das ganze dreht sich im Kreis, es werden Gespräche geführt und Gespräche geführt – mir dauert das Ganze viel zu lange“, sagte etwa der Landesbehindertenbeauftragte Joachim Steinbrück auf der Sitzung.

Einig sind sich alle immer darin, dass eine moderne Psychia­trie von den Schwächsten aus gedacht werden muss – jenen also, die schwerkrank sind und kein gesundheitsförderndes Umfeld haben, in das man sie entlassen könnte. Regionalisierung, Ambulantisierung sind die Schlagwörter für eine moderne Psy­chiatrie, die nicht nur im Schutzraum einer Kranken­hausstation wirken soll, sondern da, wo die Menschen leben. Der massive Abbau von Klinikbetten ist das Ziel und damit einhergehend ein vernetztes Betreuungssystem in den Stadtteilen.

Was dem Ganzen im Weg steht, ist die große Zahl an beteiligten Akteuren, Leistungsträgern und Kostenträgern. Sie alle unter einen Hut zu bekommen, ist die schwierigste Aufgabe bei der Umsetzung der Reform. Das bestätigen auch die externen Fachleute, die immer wieder zu Deputationssitzungen geladen und nach ihren Erfahrungen befragt werden. Der Chefarzt der Psychiatrie des Marienhospitals in Hamm, Karl Beine, etwa rät dazu, „die Systeme nicht in Konkurrenz zu sehen“. Auf die Unmöglichkeit, einen gemeindepsychiatrischen Verbund neutral zu steuern, wies der Vorsitzende des Dachverbands Gemeindepsychiatrie, Nils Greve, hin: „Wer hat das Sagen? Und kommen am Ende alle Beteiligten betriebswirtschaftlich heil da raus? Das ist ein dickes Brett.“

Fast alle Beteiligten forderten daher einen detaillierten Zeitplan, der die Umsetzung der Reform verbindlicher machen und damit beschleunigen soll. Eine Strategie mit klarem Zeitplan soll die Gesundheitssenatorin nun bis Ende des Jahres vorlegen.