Klimakiller werden teurer

Und er funktioniert doch: Im Emissionshandel könnten die CO2-Preise auf 35 bis 40 Euro steigen, sagt eine Studie voraus. Statt Kohle rechnet sich dann Gas

Die Verschmutzung der Atmosphäre mit dem Klimagas Kohlendioxid könnte in Europa deutlich teurer werden als bislang gedacht. Nach einem neuen Bericht der britischen Beratungsfirma Carbon Tracker, der am Dienstag vorgestellt wird, könnten die Preise pro Tonne CO2 im europäischen Emissionshandel in den nächsten fünf Jahren auf 35 bis 40 Euro ansteigen. Damit würde der Emissionshandel endlich zu wirken beginnen und die Energieversorgung teilweise von Kohle auf Gas umgestellt. Die EU würde demnach insgesamt zusätzlich 400 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Der Emissionshandel deckt etwa die Hälfte der EU-weiten Emissionen ab. Kraftwerke und Fabriken müssen für ihren CO2-Ausstoß Zertifikate kaufen.

Weil zu viele Zertifikate auf dem Markt waren, blieben die Preise in den letzten Jahren niedrig. Doch nach einer Reform des Systems wird ab 2019 die Zahl der Zertifikate immer knapper, bereits jetzt hat sich der Preis für eine Tonne CO2 von 4,38 Euro im Mai 2017 auf 18,28 Euro vervierfacht. Die Experten von Carbon Tracker, die bereits früher auf wichtige Entwicklungen im Emissionshandel hingewiesen haben, sehen diesen Trend bislang ungebrochen, weil sich Kraftwerke und Airlines mit Zertifikaten für die Zukunft eindecken.

Für die Jahre 2019 bis 2023 prognostiziert Mark Lewis, Autor der Studie, eine Knappheit von 1,4 Milliarden Zertifikaten auf dem Markt. Die Unternehmen könnten entweder selbst mehr CO2 einsparen oder Zertifikate zukaufen. Einen Umstieg von Kohle zu Gas – ökologisch gewünscht, weil er CO2 einspart – sieht Lewis allerdings nur, wenn die Gaskraftwerke hocheffizient und die Kohlekraftwerke kaum effizient sind. Und die Preise steigen nicht ins Unendliche, meint die Studie. Sollte der Preis langfristig über 50 Euro klettern, würde wohl die Politik einschreiten.