Zukunft mit Bauruinen

Das Bauressort will wissen, wie die Menschen künftig gerne wohnen wollen. Den Auftakt zum Dialog bildet ein Fachtag. Der Senator rechnet nicht damit, dass der Bedarf an Wohnraum weiter steigt wie bisher

Während umzugswillige Menschen ganze Lebensläufe, Bildergalerien und Einkommensnachweise in ihre Bewerbungsmappen packen, um damit bei MaklerInnen und potentiellen VermieterInnen im Kampf um den knappen Wohnraum zu punkten, blickt das Bauressort ausgeruht in die Zukunft: Mit dem Stadtentwicklungsplan Wohnen (STEP) soll der künftige Bedarf ab 2020 ermittelt werden.

Am kommenden Wochenende finden dazu die Wohntage Bremen in der Hochschule für Künste statt. Den Auftakt machen am Freitag zahlreiche Experten-Hearings, in denen externe Fachleute von ihren Erfahrungen berichten. Der Samstag ist für Familien gedacht: Bürger­Innen können und sollen mit Fachleuten aus Bauwirtschaft, Verwaltung und Politik ins Gespräch kommen und ihre Wünsche an das Wohnen der Zukunft artikulieren. „Wir wollen der Stadt den Puls fühlen“, sagt Arne Sünnemann, im Bauressort zuständiger Abteilungsleiter für Stadtentwicklung und Wohnungswesen, der die Wohntage konzipiert hat.

Konkret geht es um den Zeitpunkt ab 2020 mit dem Fernziel 2030 – ermittelt werden soll der künftige Wohnbedarf einerseits, aber auch die verschiedenen Bedürfnisse, etwa von Singlehaushalten und Familien. Bremen verfüge mit dem Bremer Haus über eine einzigartige Wohnform, bei der sich die Frage stelle, ob und wie man sie in die Zukunft transferieren könne, sagte Senatsbaudirektorin Iris Reuther am Montag bei einer Pressekonferenz.

Bausenator Joachim Lohse (Grüne) geht dabei nicht davon aus, dass der Bedarf an Wohnungen weiter so ansteigen wird wie bislang. Man müsse aufpassen, dass man nicht übersteuere: „Wir wollen später keine halbfertigen Bauruinen in der Stadt haben“, sagte Lohse. Im letzten Jahr seien 4.500 Wohnungen genehmigt worden – dass diese zum Teil immer noch gar nicht gebaut worden seien, liege auch an der guten Auslastung der Bauwirtschaft und dadurch an gestiegenen Preisen. Auch sei der Aufwand insbesondere für große Wohnprojekte hoch, die eben nicht in einem Jahr aus dem Boden gestampft werden könnten. Die Senatsbaudirektorin Iris Reuther will bei der Diskussion um das künftige Wohnen den Fokus auf die Bestände richten: Das, was seit 100 Jahren da sei, sei auch 2030 immer noch da. „Die Perspektive bis 2030 muss also auch sein: Was passiert in den Quartieren, wie ist die Nachbarschaft, die Infrastruktur?“

Die BürgerInnen können ihre Ideen nicht nur persönlich, sondern auch im Online-Dialog unter www.step-wohnen.de einbringen.