heute in hamburg

„Es könnte Kunst gewesen sein“

Interview Yasemin Fusco

taz: Daniel, wie kann man sich den Charakter des Hasskäpchens vorstellen?

Daniel Chluba: In jedem Menschen steckt eigentlich ein Hasskäppchen, deswegen hat es jetzt keine festen Charakterzüge. Optisch ist das Hasskäppchen eine Mischung aus Hasskappe, Ganzkörper-Kondom und Pussyhat.

Das Hasskäpchen verkauft echte „Me Too“-Momente.

Ich kaufe und verkaufe echte „Me too“-Momente als Anleitung, wie man richtig sexuell belästigt. Das Angebot gilt insbesondere für bedürftige Menschen, die nicht das Vergnügen haben, auf Twitter oder anderen sozialen Netzwerken ihre persönlichen sexistischen Überfälle posten zu können. Mit meinem Angebot möchte ich den Menschen zeigen, wie man daraus Kapital schlagen kann. Einmal ans Knie oder wahlweise an die Genitalien fassen kostet einen Euro. Oder ein unpassendes Kompliment, das kostet auch einen Euro.

Man kann sich also von dir live sexuell Belästigen lassen?

Ja. Wenn du an die Scheide gefasst werden willst, mache ich das. Wenn nicht, mache ich das trotzdem. Dafür bekomme ich dann einen Euro. Wir können dafür auch eben auf die Toi­lette gehen, für eine intimere Atmosphäre. Wenn du mir an den Penis fassen willst, bekomme ich ein Euro. Durch das Geld sind wir dann quitt. Und so teilen wir unsere „Me too“-Momente dann miteinander.

Das Hasskäppchen wurde in Österreich mehrfach verhaftet, warum?

In Wien gibt es ja seit einiger Zeit dieses „Burka-Verbot“, also das Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz und das Hasskäppchen wurde mehrfach verhaftet, weil er gegen dieses Gesetz verstoßen hat. Es hat daraufhin Widerspruch eingelegt und sich auf die Berufsfreiheit berufen, weil das Käppchen ja Arbeitskleidung ist. Und es könnte ja auch Kunst gewesen sein, weshalb auch die Kunstfreiheit ein Thema sein könnte. Die Behörden dort sind sehr langsam und das Hasskäppchen wartet auf die Antwort.

Was wird noch gezeigt in der Ausstellung, außer dem Hasskäppchen, das Menschen sexuell belästigt?

Das Hasskäppchen und seine Freunde, der gute Zentaur von Oerlinghausen und die kaiserlich-königlich-kindliche Majestät Hartz­königin IV., zeigen Fotos von ihren Aktionen auf den Straßen.