Jürgen Gottschlich über Assads bevorstehenden Angriff auf Idlib

Die angekündigte Katastrophe

Bevor Außenminister Heiko Maas am Dienstag zu seinem Türkei- Besuch aufbrach, sagte er, man müsse alles tun, um eine humanitäre Katastrophe in der syrischen Provinz Idlib zu verhindern. Beim Vorgespräch mit dem türkischen Präsidenten dürfte die Ablehnung einer syrisch-russisch-iranischen Militäroffensive auf die letzte von Rebellen gehaltene Provinz einer der wenigen Punkte gewesen sein, bei denen man sich einig war.

Doch was heißt das für die Katastrophe, die bevorsteht, wenn Assads Milizen ihren Angriff starten? In Idlib leben laut UN-Angaben knapp 3 Millionen Menschen, darunter 1,5 Millionen Binnenflüchtlinge, die sich aus umkämpften Regionen nach Idlib retteten oder dorthin deportiert wurden. Mindestens 800.000 würden erneut zu flüchten versuchen.

Erdoğan hat seinen Partner Putin vergeblich gedrängt, auf einen Angriff auf Idlib zu verzichten. Auch die Bundesregierung hat entsprechende Erklärungen abgegeben, doch das scheint weder Putin und schon gar nicht den syrischen Diktator Assad beeindruckt zu haben. Auch ein für Freitag geplanter Gipfel von Putin, Erdoğan und dem iranischen Präsidenten Rohani in Teheran scheint daran nichts zu ändern.

Was ist die Bundesregierung nun bereit zu tun, um eine Katastrophe zu verhindern? Erdoğan jedenfalls ist nicht willens, zu den 3 Millionen syrischen Flüchtlingen in der Türkei noch weitere hunderttausend aufzunehmen. Er hat seine Armeepräsenz an der Grenze massiv verstärkt, sogar mit Panzern. Die Türkei ist aber das einzige Land, in das die Menschen aus Idlib flüchten könnten. Vielleicht würde Erdoğan seine Meinung ändern, wenn Deutschland oder die EU sich bereit erklärten, die Hälfte der erwarteten Flüchtlinge, also maximal 400.000 Menschen, zu übernehmen? Allein der Gedanke dürfte in der EU nacktes Entsetzen auslösen. Also bleibt es bei Floskeln– und vielleicht dem Versuch, Erdoğan mit Geld davon zu überzeugen, doch ein paar mehr Menschen ins Land zu lassen.

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