Andreas Rüttenauer
Kulturbeutel

Warum Schweini mit Hunden nicht mithalten kann

Bastian Schweinsteiger ist die größte Nummer des deutschen Fußballs seit der Jahrtausendwende. Er ist der unumstrittene Superstar des Weltmeisterteams von 2014. Ob er das auch wäre, wenn ihm im Finale von Rio de Janeiro kein Blut über das Gesicht gelaufen wäre, soll hier nicht diskutiert werden. Er ist der deutsche Blutkicker, der die ganze Welt für den deutschen Fußball erobert hat. Obwohl er immer noch als Berufsfußballer arbeitet, wurde er in der vergangenen Woche mit einem Abschiedsspiel in München verabschiedet. Dabei wurden noch einmal all die Geschichten herausgekramt, die seine Karriere ausgemacht haben.

Gerne hätte man erzählt, was für ein eigenwilliger Typ Schweinsteiger immer war, einer dieser Typen, von denen es immer weniger in diesem immer kälter werdenden Business gibt. Viel hat man nicht gefunden vom frisch gekürten Träger des Bayerischen Verdienstordens. Aber vielleicht war das auch schon ein Akt der Opposition, sich vom unbeliebtesten bayerischen Ministerpräsidenten aller Zeiten einen Orden umhängen zu lassen und zur Preisverleihung mit Uli Hoeneß und Karl-Heinz „Lodenkalle“ Rummenigge zwei verknackte Steuerhinterzieher zur festlichen Zeremonie mitzubringen.

Und sonst? Da war die Schweini-Poldi-Story. Schweinsteiger und Lukas Podolski haben ein paar Mal ein bisschen deppert in Kameras geschaut und wurden deshalb zum Komikerduo des deutschen Fußballs erkoren. Witzig war das nicht wirklich, was viel sagt über die Originalität des deutschen Fußballs und wenig darüber, ob Schweinsteiger wirklich ein lustiger Mann sein kann oder nicht.

War er denn wenigstens sperrig, frech, hat er geraucht, gesoffen, mit teuren Autos Unfälle verursacht oder irgendetwas anderes gemacht, für das Fußballer von ihren Anhängern Anerkennung zuteil wird? Als er ganz jung war, wurde er mal des Nachts mit einer ebenfalls ganz jungen Frau vom Wachschutz im Whirlpool auf dem Trainingsgelände des FC Bayern erwischt und behauptete hinterher glatt, das sei seine Cousine gewesen, der er habe zeigen wollen, wo er arbeite. Da war er 18, hatte schon mal Strafe zahlen müssen, weil er zu lange in der Disko war, und war einmal mit dem Dienst-Audi statt der erlaubten 80 km/h 150 gefahren. Es war ein vielversprechender Karrierestart. „Ein Hund ist er schon“, sagen in solchen Fällen die Münchner. Und so manch Münchner mag sich Hoffnungen auf eine große Karriere Schweinsteigers gemacht haben. Aber außer Fußball kam da nicht mehr viel.

Mit der Geschichte eines wahren Hundes im Fußballbusiness, die Jean La Fleur gerade vorgelegt hat, kann Schweinsteiger jedenfalls nicht mithalten. „Hund – ein Fußballepos“ (Logbuch Verlag, Bremen) heißt die von dem Cartoonisten Jean La Fleur wie üblich mit feinem Strich gezeichnete Lebensgeschichte des ersten Vierbeiners, der es zum Fußballprofi bringt. Das Auf und Ab einer Karriere. Die Entdeckung („Immer auf die Knochen – einen wie dich brauchen wir“). Alkohol und Drogen. Das Aufstehen nach dem Absturz. Die Verehrung für den „Hund Gottes“. Das Flanieren auf dem Spielfeld nach einem großen Finale. Die immergleichen Antworten („Wuff, wuff!“) auf immer gleiche Fragen („Wie haben Sie diesen Moment erlebt?“). Die Motivationsreden des Trainers („Zeig der Welt, dass du besser als Lassie bist!“). Hund macht alles, was man machen muss, um als ganz Großer in die Geschichte des Fußballs einzugehen. Der Spieler Hund, so wie ihn Jean La Fleur zeichnet, ist wirklich ein Hund.

Schweinsteiger dagegen ist vor allem Fußballer. Ein herausragender. Damit das klar ist.