Kein Platz für Ismus

Mit zwei Performances tritt die Schwankhalle zum Auftakt der Spielzeit an, Wissen über den Islam zu vermitteln. Ohne über den Terror zu sprechen

Markus & Markus bleiben auf ihrer Recherchereise nicht allein Foto: Ann Klage/Schwankhalle

Schmerzende Knie, Hunger und Gebete zu unpraktisch Zeiten: so eine Forschungsreise in den Islam kann schon anstrengend sein. Gleich zwei Performancegruppe haben es trotzdem gewagt, um dem Bremer Publikum intime Einblicke in diese Religion zu vermitteln, über die jeder spricht und – so die Annahme – kaum einer wirklich etwas weiß.

Zum Auftakt der Spielzeit bleibt die Schwankhalle damit ihrem über die vergangenen Jahre entwickelten Konzept treu, gesellschaftlich Drängendes performativ zu Durchleuchten. Hier: das Hildesheimer Künstlerduo Markus & Markus mit ihrer Produktion „Zwischen den Säulen“ im Doppelpack mit Antje Schupp und Beatrice Fleischlin, die einen Crash-Kurs „Islam für Christen“ anbieten. Beide sind kommende Woche am Donnerstag und Freitag zu sehen – und auch nur dann.

Nun ist das mit dem Drängen beim Islam so eine Sache. Klar, gibt es Rassist*innen, die sich derzeit mit Furor am Islam abarbeiten. Es gibt einen religiös gefärbten weltweiten Konflikt von Syrien bis in die USA. Und es gibt Muslime, die – teils frisch konvertiert – in die Radikalisierung abdriften. Die Lage ist jedenfalls verfahren, vielleicht zu verfahren, um mit Aufklärung und Informationen à la „Was ist was?“ noch was zu erreichen?

Beide Performance-Gruppen lassen es drauf ankommen und versuchen, die Normalität zu zeigen, an deren Abschaffung Fundamentalist*innen verschiedener Couleur gerade arbeiten. Der Islamismus kommt nicht vor, Adressaten sind (deutsche) Christen, die über die finsteren Seiten schon alles zu wissen glauben. Im Geiste der Aufklärung sollen mit Information und Bildung Vorurteile abgeschafft werden.

Das Schulhafte klingt dröge, ist aber mitunter ausgesprochen lustig. Markus & Markus stellen sich naiv und geben Forscher mit Tropenhelm und anderen ähnlich firlefanzigen Requisiten. Mit Büchern in der Hand lesen sie vor, während eine Videowand im Hintergrund ihre Recherchereisen von Osnabrück bis Mekka dokumentiert.

Einem Bildungsauftrag folgt auch Antje Schupp in ihrer Performance. Nach einem Einstufungstest („Kennen Sie die fünf Säulen des Islam?“) werden die rituellen Handlungen des Islam unter Publikumsbeteiligung einstudiert. Bewusst an der Oberfläche, wohl um die ein oder andere Banalität als eben solche zu entlarven.

Es bleibt die Frage, was dieses körperlich gelernte Wissen bei jenen erreicht, die schon Angst haben. Gerade die Wortführer der Islamhasser*innen erweisen sich ja oft als ausgewiesene Experten noch der randständigsten Islam-Information. Auch wenn ihre Besessenheit in Sachen Deutung zu wünschen lässt.

Allerdings: Hier in der Schwankhalle ist die Informationsvermittlung natürlich nur ein Rahmen für etwas ganz anderes. Markus und Markus etwa stellen ihr Programm gleich zu Beginn in den Zusammenhang der Kunst, immer ironisch zwar, aber doch mit wahrem Kern. Nach ihren gefeierten Ibsen-Performances habe man sie aufgefordert, doch auch mal was Deutsches zu machen (so weit ist es schon) und da war die Antworten ja doch lustig: der Islam. Und wo der urdeutsch-kolonialisitische Forschergeist und islamische Mystik sich auch schon mal mit „Star Wars“ und „Der Herr der Ringe“ mischen – da lassen die beiden Markusse durchblicken, sehr wohl um die Grenzen der Aufklärung zu wissen.

Der schale Beigeschmack ausbleibender Religionskritik mag am Ende bleiben und schafft mehr neue Fragen als Antworten. Und gerade deshalb folgt die dringende Empfehlung, sich dem Versuch auszusetzen. Gerade wenn man bereits alles (besser) weiß.