Nachruf

Der Argentinier Fabián Tomasi engagierte sich gegen Agrochemie

Foto: privat

Fabián Tomasi ist tot. Der Argentinier litt unter schwerer toxischer Polyneuropathie. Am Wochenende ist er an den Folgen seiner Vergiftungen durch Agrochemikalien im Alter von 53 Jahren gestorben. Auf Facebook gab er sich den Beiname Amaranto, das Fuchsschwanzgewächs, dass nach seinen Worten allen Pflanzenvernichtungsmitteln trotzt und immer wiederkommt. Seit Tomasi den Zusammenhang zwischen seiner Erkrankung und seiner Arbeit mit Agrochemikalien erkannte, engagierte es sich gegen deren Einsatz. Seine Erscheinung verlieh seinen Worten enormes Gewicht. Zuletzt wog er noch 40 Kilo.

Kurz nach der Jahrtausendwende erlebt Argentinien einen Sojaboom. Bald reichen die Anbaufelder in den Agrarprovinzen von einem Horizontende zum andern. Auch in der Provinz Entre Ríos. In seinem Heimatort Basavilbaso findet der Landarbeiter Fabián Tomasi 2005 einen Job bei den Eigentümern einer kleinen Flotte von Kleinflugzeugen, die für die Besprühung der Sojafelder eingesetzt werden. Jetzt mischt er Chemikalien mit Wasser und füllt sie mit einem simplen Schlauch in die Tanks der Flugzeuge.

Das Einzige, was man ihm und seinen Kollegen sagte, war, er solle immer mit dem Wind im Rücken arbeiten, so würden die Ausdünstungen sie nicht belasten. „Wir haben uns über die Abbildungen auf den Kanistern amüsiert. Die zeigten Personen in Astronautenanzügen, wie sie über Felder liefen.“ Oftmals wurden sie als Fähnchen schwenkende Einweiser für Sprühflugzeuge eingesetzt, auch wenn dies offiziell verboten ist. Naiv seien er und seine Kollegen gewesen, sagt er später.

Obwohl er immer häufiger erkrankt, wird er nur wegen Diabetes behandelt, die er seit seiner Kindheit hat. Erst als seine Muskeln zu verschwinden beginnen, wird eine schwere toxische Polyneuropathie diagnostiziert. Gepflegt wurde er von seiner 82-jährigen Mutter und seiner 25-jährigen Tochter.

Welche der giftigen Chemikalien die Krankheit auslösten, ist nicht nachweisbar. Für Monsanto/Bayer und alle anderen Herstellerfirmen von Glyphosat ist es ein leichtes Unterfangen, die Konsequenzen ihres Pflanzengiftes herunterzuspielen. Schadenersatzprozesse wie der in den USA, bei dem ein an Lymphdrüsenkrebs erkrankter 46-Jähriger rund 250 Millionen Euro Entschädigung von Monsanto zugesprochen bekam, sind in Argentinien unbekannt.

„Seit Monsanto unter dubiosen Umständen ins Land kam, ist Argentinien ein Versuchslabor der Landwirtschaft und der chemischen Industrie“, sagte Tomasi. Die zuständige Genehmigungsbehörde räumt inzwischen ein, dass nicht mehr nachvollziehbar ist, wie Monsanto 1996 die Zulassung für Glyphosat bekam. Und der Schulterschluss des Agrarbusiness und der Politik, egal ob Regierung oder Opposition, diffamiert jede kritische Stimme.

„Ihr braucht das Gift nicht zu suchen. Es kommt zu euch. Es ist im Boden, in der Luft und in dem, was ihr esst“, mahnte Tomasi stets. Seine beiden Flugzeugchefs waren vor Jahren an Krebs gestorben. Jürgen Vogt, Buenos Aires