Steffen Grimberg
Flimmern und Rauschen

Wie Medienberichterstattung in der Dopingprävention mitwirken könnte

Foto: privat

Hat schon mal wer von der Inger Verlagsgesellschaft in Osnabrück gehört? Sollte man aber, auch wenn deren Titel-Verzeichnis zunächst mal ziemlich altbacken klingt. Da gibt es neben der Bäckerzeitung und dem Back Journal noch Fachmagazine wie Cereal Technology sowie das ein bisschen nach den Zeugen Brezels klingende Deutsche Bäckerzeitung Weckruf Magazin.

Und dann aber auch – Doping. Nicht im ehrbaren Handwerk der Warmbäcker und Konditoren. Sondern, wie es sich gehört, im Sport. „Das Anti-Doping-Magazin für Wettkampfsportler, Vereine und Verbände“, heißt es unmissverständlich im Untertitel. Nun würde auch niemand eine Pro-Doping-Postille so nennen, aber die klare Haltung nötigt Respekt ab. Und dass es noch Verlage gibt, die so ganz außerhalb ihres Fachbereichs ein Expertenmagazin für ein umstritten-schwieriges Thema möglich machen, erst recht.

Die aktuelle Ausgabe des halbjährlich erscheinenden Magazins widmet sich komplett der Prävention und macht ein neues, auch in der medialen Doping-Berichterstattung bislang kaum berücksichtigtes Fass auf: den Breitensport – „in dem es richtiger Weise nicht ‚Doping‘, sondern ‚Medikamentenmissbrauch‘ heißen muss“. Doch so lange „der Irrglaube an ein unbegrenztes Wachstum, an immer neue Bestleistungen und an immer mehr Medaillen derart in den Köpfen vieler Zeitgenossen einbetoniert zu sein scheint“, so ein Kommentar, habe Doping leichtes Spiel.

Und die Medien tragen ihren Teil dazu bei, schreibt der Sportsoziologe Karl-Heinrich Bette. Denn sie hätten das Sportgeschehen eigentlich vor allem durch kritische und investigative Berichterstattung zu kommentieren – und nicht durch eventgetriebene Begeisterung für fragwürdige Höchstleistungen. „Die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten, die ihre Ressourcen nicht über Werbung erwirtschaften müssen und deshalb theoretisch keine opportunistische Anpassung an Wirtschaftsinteressen und Publikumsbedürfnisse zu betreiben haben, könnten durch die gezielte Vergabe von Übertragungsrechten eine sportinterne Fügsamkeit in Sachen Dopingbekämpfung durchsetzen“, so Bette weiter.

Sportinterne Fügsamkeit – und die Sportgewaltigen von ARD und ZDF und ihre Rechtemillionen als Aktivposten im Kampf gegen Doping. Eigentlich bedauerlich, dass man mit solchen Vorschlägen vermutlich eher schallendes Gelächter erntet. Selbst zur Tour de France, aus der die ARD auf dem Höhepunkt der Dopingdurchseuchung des internationalen Radsports mal zwischenzeitlich ausgestiegen war, heißt es heute, man sei mangels Zuschauerakzeptanz vom Sender gegangen, nicht wegen des Dopings. Brot und Spiele eben. Um den nicht zu vermeidenden Rest darf sich dann Hajo Seppelt kümmern.