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Auch andere im Blick

Schule ist ein sozialer Raum. Das spiegelt sich im Alltag freier Einrichtungen auf unterschiedliche Weisen wider: mit internationalen Projekten und lokalem Einsatz

SchĂŒler des Berliner Canisius-Kollegs im Einsatz fĂŒr die Nikolausauktion 2017 Foto: imago

„Nicht fĂŒr die Schule, sondern fĂŒr das Leben lernen wir.“ Der bekannte pĂ€dagogische Leitsatz bestimmt den Unterricht der Freien Schulen in besonderer Weise. „Engagiert, sozial & innovativ“, so lauten die zentralen Werte der nichtstaatlichen Schulen in privater oder kirchlicher TrĂ€gerschaft. „Wir engagieren uns fĂŒr gute Bildung, sozial in der Bereitschaft, unseren Beitrag zu leisten, damit kein Kind verlorengeht, und innovativ, wenn es darum geht, unsere PĂ€dagogik im Blick auf neue Herausforderungen weiterzuentwickeln“, heißt es in der Selbstbeschreibung der Freien Schulen in Berlin.

„Lernen in Vielfalt ist die Voraussetzung fĂŒr gute Bildung, denn Menschen wachsen am anderen“, sagt Tobias Zimmermann SJ, der Rektor des Canisius-Kollegs. Die Jesuitenschule in Berlin ist ein Gymnasium, das 820 SchĂŒlerInnen aus vielen LĂ€ndern besuchen – mehr als 30 Muttersprachen werden hier gesprochen – und keineswegs nur Katholiken. Ein FĂŒnftel sind Protestanten oder stammen aus anderen religiö­sen und weltanschaulichen Umfeldern. Den Eltern ist es wichtig, dass ihre Kinder in einer Schulkultur des Respekts und des Dialogs ĂŒber die Grenzen von Nationen erzogen werden.

Realisiert wird dies unter anderem durch eine Schulpartnerschaft mit Simbabwe. „Wie der Frankreichaustausch die Freund­schaft der europĂ€ischen Nachbarn unter­stĂŒtzt, so erhĂ€lt hier eine kommende Gene­ration die Chance, gegenseitiges VerstĂ€ndnis und Beziehungen ĂŒber die Grenzen Europas hinaus in einer solidarischen Nachbarschaft zu entwickeln“, beschreibt das Canisius-Kolleg ihr Afrika-Projekt. Auch bei der Integration von FlĂŒchtlingskindern ist die Schule engagiert. Nach Erwerb des deutschen Sprachdiploms konnte eine „Willkommensklasse“ mit 14 SchĂŒlern in vorigen Jahr in den Regelunterricht ĂŒbernommen werden. Zwei von ihnen haben sogar den ersten und den zweiten Platz des Landeswettbewerbs „Jugend debattiert in Willkommensklassen“ gewonnen. Ihre Integrationserfahrungen geben sie im Rahmen einer interkulturellen Jugendgruppe an andere junge Menschen in FlĂŒchtlingsheimen weiter.

An der Kant-Oberschule, einer internationalen Schule mit 2.200 SchĂŒlern an drei Standorten im SĂŒden Berlins, prĂ€gt das Diktum des Namensgebers – „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“ – die Ausbildung zu kritisch denkenden Menschen. „Im Hause Kant ermutigen wir SchĂŒler, Eltern und LehrkrĂ€fte tĂ€glich, sich sozial zu engagieren, sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zu stellen und sich im Umgang miteinander respekt- und rĂŒcksichtsvoll zu zeigen“, beschreibt die Schule ihren Ansatz.

Ein besonders Projekt ist die seit 2008 bestehende Kooperation zwischen der Kant-Schule und der „Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen“ (Achse). Dabei gelang es der Schul­gemeinschaft, sich wichtigen gesellschaftlichen Fragen im Umgang miteinander zu stellen – ob gesund oder krank, normal oder anders, wurde in einer Bilanz festgestellt. „FĂŒr die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler einer von vielen weiteren Schritten auf dem Weg zu einer toleranten und empathischen Haltung.“

In weiteren internationalen Projekten werden Straßenkinder in Uganda oder ein Waisenhaus in Thailand unterstĂŒtzt. Die OberschĂŒler der Kant-Schule starten jedes Jahr zum Spendenlauf, dessen Erlöse dem „KĂ€ltebus“ der Berliner Stadtmission zugute kommen. Die Parzival-Schule in Zehlendorf ist eine Waldorfschule mit einem sonderpĂ€dagogischen Förderschwerpunkt. In den Klassenstufen 1 bis 12 werden rund 140 SchĂŒle­rinnen und SchĂŒler unterrichtet, wobei die men­schenkundlichen Erkenntnisse Rudolf Steiners die pĂ€dagogische Grundlage bilden. „Projektarbeit ist an unserer Schule ein elementarer Bestandteil“, erklĂ€rt Schulleiter Flemming Herre. „Unser Anliegen innerhalb dieser Projektzeiten ist es, den SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern in Form von Vorplanung, DurchfĂŒhrung und Reflexion die Möglichkeit zu geben, in ganzheitli­che Lernprozesse einzutauchen.“

In der kĂŒnstlerisch und musisch ausgerichteten Schule spielt die praktische Lernarbeit in WerkstĂ€tten eine besondere Rolle. Hier werden auch Reparaturen fĂŒr die Schule ausgefĂŒhrt, im KrĂ€utergarten wird Unkraut gezupft und Papier aufgelesen. Die Absicht dahinter: Alle sollen sich verantwortlich fĂŒhlen fĂŒr die SchulgebĂ€ude, die Frei- und SpielflĂ€chen. Am Ende der Schulzeit wartet eine besondere PraxisprĂŒfung: die Weberei, wo an großen WebstĂŒhlen die Unzahl bunter FĂ€den zu einem sinnvollen Stoff-Ensemble zusammengestrickt werden sollen. „Wer hier durchhĂ€lt und am großen Webstuhl das geplante, angefangene StĂŒck zu Ende bringt“, sagt Herrad Marmon, die GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der Parzi­val-Schule, „der hat Großes vollbracht und ist gut ausgebildet.“