mittwoch in bremen

„SPD fehlt kritische Distanz zur Kirche“

Foto: privat

Maurice Mäschig, 32, ist einer der Bundes­­sprecherInnen des Zusammenschlusses von „Säkularen Sozialdemokrat_innen“.

Interview Eiken Bruhn

taz: Herr Mäschig, Sie fordern seit Jahren die Abschaffung des Tanzverbots am Karfreitag. Waren Sie auch gegen die Einführung des Reformationstags als zusätzlichem Feiertag?

Maurice Mäschig: Ja. Ich habe mich dafür ausgesprochen, stattdessen den Weltfrauentag am 8. März oder den 8. Mai als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus zum Feiertag zu erklären.

Warum?

Weil ich es nicht richtig finde, eine geschichtlich so komplexe Person wie Luther mit seinen frauen- und judenfeindlichen Äußerungen zu ehren.

Aber was ist gegen einen freien Tag einzuwenden?

Nichts – aber der Anlass ist entscheidend. Es gibt nur sehr wenige Menschen, die den Reformationstag als solchen feiern werden – die meisten nehmen ihn einfach als freien Tag und machen, was sie wollen. So wie Weihnachten ein Familienfest geworden ist und mit den religiösen Hintergründen kaum noch etwas zu tun hat.

Sie sind SPD-Mitglied – gerade in Bremen kann das wegen der Nähe der Partei und einiger ihrer Führungsspitzen zur Bremischen evangelischen Kirche keine helle Freude sein, wenn man wie Sie konfessionslos ist.

31. Oktober Seit diesem Jahr ist der Reformationstag, der an die Reformation der Kirche durch Martin Luther erinnern soll, in Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen ein gesetzlicher Feiertag.

Wenn ich mir die Beschlüsse der letzten drei Jahre ansehe, dann sehe ich, dass die Bremer SPD die steigende Masse der Konfessionsfreien nicht betrachtet.

Welche meinen Sie?

Die SPD hätte sich ja auch für einen weltlichen Feiertag einsetzen können. Dann hatte sie bereits einer Abschaffung der Vergnügungsverbote am Karfreitag zugestimmt und letztes Jahr einen Rückzieher gemacht. Dann sollte laut Koalitionsvertrag die Gebührenbefreiung für Kirchen aufgehoben werden und das weltliche Arbeitnehmerrecht in kirchlichen Einrichtungen eingeführt werden. Letzteres ist ein halbes Jahr vor der Wahl gar nicht geschehen, Ersteres nur in einem kleinen Teil umgesetzt worden. Mit dieser fehlenden kritischen Distanz zur Kirche verprellt die Bremer SPD viele Leute.