Svenja Bergt über die Folgekosten des Konsums

Auf die Verbraucher abgewälzt

Steuern steuern. Wer das bezweifelt, kann einfach einen kurzen Blick nach Mexiko werfen. Das Land hat 2014 eine Steuer auf zuckerreiche Getränke eingeführt, woraufhin der Absatz bereits im ersten Jahr um über 5, im zweiten Jahr um über 9 Prozent sank. Würde die Politik also Konsequenzen ziehen aus den aktuellen Berechnungen von Forschern zu den Steuern auf Fleisch, die nötig wären, um die gesundheitlichen Folgen des Konsums abzubilden – Verbraucher würden seltener zu rotem und verarbeitetem Fleisch greifen.

Zugegeben, für die industriezahme Bundesregierung wäre so eine Steuer ein immenser Fortschritt. Und es gäbe einiges zu tun, wollte man Folgekosten des Konsums steuerlich abbilden: vom Smartphone, wo sich die Umweltbelastung beim Abbau seltener Erden einpreisen ließe, bis zum Autokauf, dem versiegelte Landschaften und feinstaubbelastete Städte zugerechnet werden könnten.

Aber eigentlich sind solche Steuern feige. Sie geben Verantwortung und Kosten einfach an die Verbraucher ab. Und dabei lösen sie nicht einmal das Problem in Gänze – schließlich geht es ja, um beim Fleisch zu bleiben, nicht nur um gesundheitliche Folgen. Sondern etwa auch ums Klima oder das Ökosystem der Länder, aus denen das Futter stammt. Eine so komplexe Konstellation einigermaßen seriös in Zahlen abzubilden, und das am Ende nicht nur für Fleisch, sondern am besten für alle Produkten und Dienstleistungen – genau: unmöglich. Ehrlicher wäre deshalb häufig ein ganz profanes Verbot.

Das würde dann auch in Bereichen funktionieren, in denen sich über Steuern für Verbraucher nichts steuern lässt – weil diese nicht mit Geld zahlen, sondern etwa mit ihren Daten. Für Verbote – egal ob es um Tierhaltungsformen geht, um die zügellose Nutzung persönlicher Daten, um Spritschlucker oder Vorschriften für ein besseres Recyc­ling – braucht es Mut. Mut, sich bei der Industrie unbeliebt zu machen und Alternativen zu fördern. Aber dafür sollte eine Regierung ja auch da sein.

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