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Am Montag, 3. Dezember ist der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung. Vielerorts auch Anlass, für Barrierefreiheit zu demonstrieren

Von René Hamann

Fulda am Tag nach dem 1. Advent. Ein großer Korso schlängelt sich durch die Stadt – ein Korso, der hauptsächlich aus Rollstühlen mit ihren Fahrerinnen und Fahrern sowie Menschen mit Rollatoren oder auf E-Scootern besteht. Sie protestieren so friedlich wie lautstark für eine barrierefreie Stadt, für eine Stadt, die auch Menschen mit Behinderungen frei zugänglich ist. Für Rampen, Aufzüge, glatte Steine und Kennzeichnungen, gegen Stolperfallen und Gefahrenstellen! Anlass für den Aufstand auf Rädern: der Internationale Tag für Menschen mit Behinderung, der wie jedes Jahr am 3. Dezember stattfindet. Leider ist das diesmal ein Montag. Aber lange kein Grund, den positiven Protest nicht auf die Straße zu tragen.

In niedersächsischen Westerstede hat sich so ein Korso schon einmal gebildet – 2014 war das. Wie die Nordwest­zeitung berichtet, leider nicht mit durchschlagendem Erfolg. Viel hat sich seitdem leider nicht verbessert. Zwar könne niemand erwarten, dass alles sofort baulich verändert werde, so Heiko Ockenga, stellvertretender Vorsitzender des Heimbeirats in der NWZ, aber an einigen Stellen hätte man mit wenig Aufwand durchaus etwas erreichen können. Grund genug, auch dieses Jahr einen Korso zu organisieren. Am Montag um halb drei geht es los. Ziel ist das Rathaus.

Ein weiteres Problem ist natürlich die Schule. Bildung ist zwar ein Menschenrecht, und hierzulande gilt schließlich Schulpflicht, dennoch gibt es gerade für Kinder mit Behinderungen immer wieder Hindernisse. Auch bleibt Kindern in Fluchtsituationen der Schulbesuch oft verwehrt. Besonders betroffen: Flüchtlingskinder mit Behinderungen. Die Chris­tof­fel-Blindenmission (CBM) ist eine von vielen Einrichtungen, die sich kümmern will. Sie hat die Bundesregierung aufgefordert, sich auch weltweit stärker für Bildungschancen für alle Kinder einzusetzen. Nur so kann dauerhaft verhindert werden, dass in manchen Regionen der Welt ganze Generationen ohne wichtige Schlüsselqualifikationen und damit ohne Aussicht auf ein wirtschaftlich unabhängiges Leben aufwachsen. Die CBM unterstützt zurzeit 530 Projekte in 54 Ländern.

Zurück nach Fulda: Dort gibt es dieses Jahr vielleicht keinen Korso, aber einen barrierefreien Weihnachtsmarkt. Ein Highlight für Menschen mit Behinderung.