Peter Weissenburger
Mitarbeiterinnen der Woche

Kerstin Hermes und Julia Menger

Illustration: Inga Israel

Beim RBB-Sender Radioeins moderieren ab Montag zwei Frauen die Morningshow. Kerstin Hermes und Julia Menger sitzen jetzt jede dritte Woche montags bis freitags von fünf bis zehn Uhr morgens am Mikrofon. Warum das bemerkenswert ist? Erstens: Beim „Schönen Morgen“ haben sich bisher zwei Männerteams abgewechselt. Zweitens: Weibliche Doppelmoderation in Morgensendungen ist äußerst ungewöhnlich.

Gemischte Paare gibt es oft, Männerteams auch, aber dass zwei Frauen frühmorgens die Hörer*innen begrüßen, das nicht. Interessant ist das, weil der Morgen für Radiosender die wichtigste Tageszeit ist. Morgens schalten die meisten Menschen ein. Zudem bedeuten Morningshows mit ihrer Mischung aus Musik, guter Laune und aktuellen politischen Themen eine anspruchsvolle Moderation.

Hermes und Menger sind allerdings nicht begeistert, dass jetzt ausgerechnet ihr Frausein zum Thema wird. „Viele haben auf Facebook geschrieben: Endlich ein Frauenteam!“, sagt Kerstin Hermes. „Mich hatte die Tatsache, dass wir Frauen sind, bis dahin gar nicht so sehr beschäftigt.“

Julia Menger, die vom BR-Jugendprogramm Puls zum RBB wechselt, sagt: „Mich regt das ein bisschen auf, wenn ich so was höre wie ‚Sie als Frau …‘“

Aber klar gebe es ein Frauendefizit im Hörfunk. „Das Radio ist da in der Tat immer noch ziemlich altbacken“, sagt Menger. „Auch bei gemischten Teams ist häufig der Mann der Hauptmoderator und die Frau so was wie der Sidekick.“ Und Hermes findet: „Man muss sich schon fragen, warum sich viele Sender bislang so schwertun mir reinen Frauenteams.“ Man denke oft, Hörer hätten ein Problem mit Frauenstimmen. Kerstin Hermes hat dazu nur eine Erwiderung: Bitte erst mal anhören!

Hermes bringt Erfahrung aus dem Sportjournalismus mit, Menger kennt sich dagegen mit Musik aus. Im August haben die beiden testweise eine Woche zusammen moderiert. Aber die gemeinsame Dynamik müsse sich erst noch ergeben, sagt Menger. „Es werden sich wahrscheinlich Rollen herausbilden, das ist oft so. Eine, die eher Witze reißt, und die andere, die mehr fachsimpelt.“

Was beide unter anderem verbindet, ist, dass sie Mütter kleiner Kinder sind. Kerstin Hermes: „Wir werden aber ganz sicher nicht die ‚Muttis am Morgen‘-Sendung. Wir sind freundliche, weibliche Menschen und ich würde mich freuen, wenn sich dadurch noch mehr Hörer*innen angesprochen fühlen.“