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Pflanzen statt fällen

Zertifizierte Öko-Weihnachtsbäume sind immer noch selten. Aber man kann auch ganz aufs Fällen verzichten und stattdessen einen gepflanzten Baum im Wald verschenken

Aus dem Wald kommen nur noch die wenigsten: Die meisten Weihnachtsbäume werden auf Sonderflächen angebaut Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Von Robert Matthies

In mehr als jedem zweiten Haushalt wird in den kommenden Wochen wieder einer stehen, behängt mit Lametta, Christbaumkugeln und Lichterketten – und Anfang Januar kommt er in den Schredder. Fast 30 Millionen Weihnachtsbäume werden dieses Jahr in Deutschland verkauft. Rund 10 Prozent kommen aus dem Ausland, aus Dänemark, Österreich, Polen, Tschechien oder Georgien. Doch der Großteil wird immer noch hierzulande gefällt, meist in landwirtschaftlich bewirtschafteten Weihnachtsbaumkulturen. Nur ein geringer Teil von ihnen, rund 15 Prozent, wird noch von Waldbetrieben verkauft. Aber auch diese Bäume wachsen meist nicht mehr direkt im Wald, sondern auf Sondernutzungsflächen, unter Strommasten oder neben Gaspipelines.

Auch wenn die Giftstoffe nur in geringen Mengen ihren Weg in die Wohnzimmer finden: Fast alle in Deutschland verkauften Weihnachtsbäume wachsen auf gedüngten Flächen und werden mit Pestiziden bespritzt. Umweltfreundlich produzierte Weihnachtsbäume sind zwar im Kommen – ganz allmählich: Von rund 100 auf rund 400 hat sich nach Angaben der naturschutzorganisation Robin Wood bundesweit immerhin die Zahl der Verkaufsstellen für ökologisch zertifizierte Weihnachtsbäume innerhalb eines Jahres vervierfacht –, dennoch lag der Anteil 2017 insgesamt gerade mal bei 0,37 Prozent.

Und der Norden hinkt im Vergleich noch hinterher: Während es in Bayern und Nordrhein-Westfalen immerhin je 107 Verkaufsstellen für Öko-Bäume gibt, hat Robin Wood in Schleswig-Holstein gerade mal 35 gezählt, in Niedersachsen 26, in Hamburg 16, in Mecklenburg-Vorpommern fünf und in Bremen nur zwei. Herunterladen kann man den gerade erschienenen Einkaufsführer der Naturschutzorganisation unter www.robinwood.de.

Darin steht auch, worauf man achten muss, um einen Weihnachtsbaum mit gutem Umweltgewissen aufstellen zu können. Als Weihnachtsbäume aus anerkannt ökologischem Anbau gelten zum einen all jene aus Kulturen in Öko-Landwirtschaftsbetrieben, deren Zertifizierungsverband dem „Bund Ökologischer Lebensmittelwirtschaft“ (BÖLW) angeschlossen ist. Dazu gehören Biokreis, Bioland, Demeter und Naturland. Andere Bäume werden nach den von den Umweltverbänden Robin Wood, Greenpeace und BUND erarbeiteten „Naturland Richtlinien für ökologische Waldnutzung“ hergestellt. Verzichtet wird dabei auf Kahlschlag und den Einsatz von Pestiziden, Düngungen und Entwässerungsmaßnahmen.

Schließlich gibt es Bäume aus Waldflächen mit einem Zertifikat des Forest Stewardship Council (FSC). Auf Pestizid- und Mineraldünger wird dabei verzichtet, nur: Ein FSC-Siegel dürfen nur Holzprodukte tragen, Weihnachtsbäume aber sind „Nichtholz-Waldprodukte“ (Non Timber Forest Products/NFTP). Der für solche Produkte entwickelte NTFP-Standard aber gilt erst seit 2016 – und wird bislang nur in Rheinland-Pfalz umgesetzt.

Wer in Sachen Bäume aber ohnehin ein Idefix ist, der in bittere Tränen ausbricht, wenn auch nur an einen von ihnen Axt, Säge oder Harvester angesetzt wird, der verzichtet eben ganz aufs Fällen. Einen Weihnachtsbaum im Topf, den kann man nach den Festtagen auf den Balkon stellen oder im eigenen Garten einpflanzen.

Noch konsequenter (und voll im Weihnachtsbaumtrend 2018, nämlich: Natürlichkeit) ist es natürlich, den Weihnachtstraditionsspieß umzudrehen: Statt einen Baum fällen zu lassen, lässt man einfach einen pflanzen. Seit 2006 bietet der Bremer Ulrich Reinhardt Baumpatenschaften in einem seiner „Baldwälder“. Zwei Wälder mit insgesamt rund 13.000 Bäumen stehen bereits in Dörverden im Landkreis Verden, zwischen Rethen und dem Ortteil Hülsen.

Drei Pakete hat Reinhardt im Angebot, wer persönliche Wünsche hat, zum Beispiel eine Patenschaft für eine bestimmte Laubbaumart, findet offene Ohren. Eine Patenschaft für fünf Bäume für fünf Jahre kostet zum Beispiel 25 Euro, für 70 Euro kümmert man sich zehn Jahre lang um zehn Bäume. Das Besondere: Anders als bei Baumpatenschaften etwa für Bäume im brasilianischen Regenwald bekommt man nicht nur eine persönliche Urkunde, sondern auch Besuchs- und Fotorechte. Wer pünktlich zum Weihnachtsfest eine Patenschaft verschenken möchte, hat noch bis zum 15. Dezember Zeit zu bestellen.

Robin-Wood-Einkaufsführer: www.robinwood.de/schwerpunkte/okologische-weihnachtsbaume

Baldwald: www.baldwald.de