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Ganz, ganz alte Schule

Sehr geehrter Herr Professor Wulff!

Als Journalistin werde ich immer ein bisschen misstrauisch, wenn PolitikerInnen mir zu verstehen geben, dass ihnen ein Text gut gefallen hat, in dem sie vorkommen. Es ist schließlich nicht mein Job, gefällig über Politik zu schreiben. Deshalb habe ich mich erst mal ziemlich gewundert, als am Mittwoch ein Blumenbote an die Tür des taz-Parlamentsbüros klopfte und einen weihnachtlichen Strauß und eine Karte überreichte. Eine Karte von Ihnen.

„Liebe Frau Maier“, schrei­ben Sie mir, „ein frohes Weihnachtsfest und ein besonderes ,Küß die Hand, gnä’ Frau‘ für das neue Jahr 2019 wünscht Ihnen Ihr Otto Wulff.“ Lieber Herr Wulff, kann ich darauf nur antworten, tausend Dank!

Dass Sie sich auf so formvollendete Weise bei mir melden, hat natürlich eine Geschichte. Für die taz am Wochenende war ich Ende November bei der Bundesdelegiertenversammlung der Senioren-Union, deren Vorsitzender Sie sind. Das Treffen der 400 Mitglieder war nicht nur interessant, was Erfahrung mit und Perspektive auf aktuelle Politik angeht. Mich hat auch beeindruckt, wie konzentriert dort gearbeitet wurde. Aus dem hochtourigen Unions-Betrieb, über den ich berichte, kenne ich derlei nicht.

Besonders beeindruckt jedoch hat mich das Ende unseres Interviews, bei dem Sie, Herr Wulff, mich mit Diener und angedeutetem Handkuss verabschiedeten. Das war ganz alte Schule. Dafür und für den Blumengruß bedanke ich mich sehr herzlich.

Ihre Anja Maier

Den Text findet man unter taz.de/!5550436/