das portrait

Johannes Caspar lässt nicht locker

Datenschutz im Blick – auch wenn er sich damit wenig Freunde macht: Johannes Caspar Foto: dpa

Nun haben auch die Hamburgischen Polizeigewerkschaftler erkannt, dass die Arbeit von Datenschützern wie Johannes Caspar doch vor allem eines ist: beschwerlich für ihre eigene Arbeit. Damit reihen sie sich in eine inzwischen ganz ansehnliche Gruppe ein: Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Caspar hat sich seit seinem Amtsantritt 2009 mit Google, Face­book, Parship und Xing gestritten, denen er vorwarf, gegen Datenschutzrecht zu verstoßen. Er legt sich aber auch mit der Hamburger Innenbehörde an, die mit einer Gesichtserkennungs-Software Straftäter verfolgen will – und dabei aber, so Caspar, auch die Daten Unbeteiligter sammelt. Er ordnete an, dass die Behörde die Daten lösche müsse, wogegen der Innensenator inzwischen Klage eingereicht hat.

Nun sind es Hamburger Polizeigewerkschaftler, die sich unfroh dazu äußern, dass das Landeskriminalamt prüfen muss, ob es Teile seiner jahrelang gesammelten Daten löschen muss. Das verhindere viele Fahndungserfolge, beklagte der Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Jan Reinecke.

Johannes Caspar ist niemand, der sich nach dem Motto „Viel Feind, viel Ehr“ bevorzugt prominente Gegner sucht. Google & Co haben schlicht ihren Deutschlandsitz in Hamburg und dass die Hamburger Innenbehörde im Zuge der G20-Prozesse erst den Fahndungserfolg und dann dessen rechtliche Grundlagen im Sinn hat, liegt nicht in Caspars Hand. Der 57-jährige Jurist betreibt seine Arbeit ohne Schaum vorm Mund – aber mit klarem Pflichtbewusstsein. Er ist freundlich im Auftreten und trug es gefasst, dass man seiner Behörde über Monate mit einer provisorischen Unterkunft im Bezirksamt Mitte, Abteilung Grundsicherung und Soziales, nicht gerade den roten Teppich ausrollte.

Etwas weiter gefasst, will auch Caspar Grundlegendes sichern: „Das Menschenrecht auf Datenschutz und Privatsphäre in digitaler Gesellschaft und Staat“, so hat er es genannt. Und damit die nächste Generation die Bedeutung dieses Rechts erkennt, hat er eine Schulinitiative gegründet: „Meine Daten kriegt ihr nicht.“ Friederike Gräff