was tun in hamburg?

Foto: Krachkisten-Orchester

Mi, 17. 4., 19 Uhr, Rote Flora

Aussage gegen Aussage

Vergewaltigung? Das kommt doch in ihren Kreisen gar nicht vor! In ihrem im vergangene Jahr viel gerühmten Debütroman „nichts, was uns passiert“ (Verbrecher-Verlag 2018, 168 S., 19 Euro) erzählt Bettina Wilpert davon, wie widersprüchlich die Student*innen Anna und Jonas ihren One-Night-Stand in Erinnerung haben – und welche sozialen Auswirkungen Annas Vorwurf hat. Jetzt liest Wilpert in Hamburg daraus.

Fr, 19. 4., 20 Uhr, „MS Stubnitz“

Krach aus der Kiste

Ein paar Haarschöpfe und wippende Beine hinter großen bunten Boxen. Mehr sieht man vom Krachkisten-Orchester um die Hamburger Performancekünstlerin und Instrumentenbauerin Tin-Tin Patrone nicht. Aber der wahre Protagonist ist hier eben all das auseinandergebaute und kreativ kurzgeschlossene Kinderspielzeug, das in den Krachkisten versteckt ist: Ein furioses Klanggebräu aus schrägem Pfeifen und Ächzen wird damit angerichtet, von dem niemand, auch die Performenden nicht, so ganz genau weiß, wie es denn nun zustande kommt.

Zehn Jahre lang gibt es das Kunstprojekt schon und das wird am kommenden Freitag mit einem kleinen Noise- und Experimentalmusikfestival auf der „MS Stubnitz“ gefeiert. „Intonarumori 2.0“ nennt sich das und präsentiert alle 26 Krachkisten in verschiedenen Konstellationen und Kurzkonzerten. Mindestens 20 Solo- und Bandperformances aller Orchester-Mitglieder sind es insgesamt. Unter anderem treten auf: Jajaja, Helge Meyer, Jul Gordon, Monomal & Muttermahl & Nochmal und Cooperfrau Melissengeist.

Mi, 17. 4., 22 Uhr, Hörbar im B-Movie

Gewebe aus Strom

Sehr viel anschaulicher stellt das Berliner Duo Das Synthetische Mischgewebe seine komplexen akustischen, nun ja, Gewebe her, die es am Mittwoch in der notorischen Hörbar im B-Movie zum Klingen bringt. Da liegen all die Erzeuger gut sicht- und hörbar ausgebreitet auf dem großen Tisch: zusammengeschaltete Assemblagen aus elektrischen Motoren, Aquarien, Fönen, Sprühdosen, Rasierern oder Dosenöffnern – all das mal ganz rau, mal analog verstärkt und durch etliche kleine Low-Fi-Anlagen geschickt. Ein wenig akustisches Durchhaltevermögen muss man aber mitbringen: Was da an fiependen, kreiselnden oder klackernden Sounds herauskommt, ist – selbstverständlich – auf Kassette aufgenommen und hört auf Namen wie „Angegriffenes Nervensystem“oder „Maschienen Sind (Grau)Sam (Du Auch) [?]“.

Sa, 13. 4., 20 Uhr, Kampnagel

Politische Körpersprache

Um sich in einem Land Gehör zu verschaffen, in dem es 64 unterschiedliche indigene Sprachen gibt, ist das gesprochene oder geschriebene Wort ein schwaches Vehikel. Davon ist der mosambikanische Choreograf Panaibra Gabriel Canda überzeugt: Politische Zeichen setzt man dort mit dem Körper, mit einer Bewegungssprache, die Bedeutungen, Bilder und Botschaften direkt von Körper zu Körper überträgt.

Zweimal war der Gründer des regional überaus bedeutsamen Tanzzentrums Cultur Arte in Maputo auf Kampnagel zu Gast. Am heutigen Samstag zeigt Canda im Rahmen des Krass-Festivals nun seine Auseinandersetzung mit den verschiedenen Lebenswelten von Erwachsenen und Kindern sowie verlorenen oder verschütteten Utopien. Inspiriert ist „The man who did not see the whale pass by“ von dem von den Nazis im Vernichtungslager Treblinka ermordeten polnischen Kinderarzt und Pädagogen Janusz Korczak und dem portugiesischen Dichter Fernando Pessoa. (matt)