„Auf Augenhöhe dichten“

Lyrik junger Ägypterinnen in der Laeiszhalle

taz: Frau Werner, wie kritisch dürfen ägyptische Autorinnen heutzutage schreiben?

Erika Werner: Kritischer als man denkt. Das liegt auch daran, dass dies studierte Frauen sind, die teils an Universitäten lehren. Außerdem schreiben sie auf Hocharabisch, sodass die Texte nur einer kleinen, gebildeten Lesergruppe zugänglich sind.

Sind die Autorinnen mit dieser Sprachbarriere glücklich?

Das ist ein schwieriges Thema. Denn traditionell „gehört“ es sich für literarisch anspruchsvolle Autoren nicht, im Dialekt zu schreiben.

■ Bibliothekarin, hat vor drei Jahren den Literaturverein S.T.I.L. gegründet und moderiert heute Abend in der Laeiszhalle.FOTO: PRIVAT

Für wen sprechen diese Autorinnen eigentlich?

Sie sprechen jedenfalls nicht „dem Volk aus der Seele“ oder so etwas. Es sind vielmehr Frauen, die Mut beweisen, indem sie über Tabu-Themen wie den eigenen Körper, ihre Unzufriedenheit in der Ehe oder ihr Minderwertigkeitsgefühl schreiben.

Schreiben die Frauen auch über ihre eigene Diskriminierung?

Nur indirekt. Das Faktum ist klar, aber sie verfassen keine explizit sozialkritischen Texte.

Warum nicht?

Das ist eine Frage der Generation. Die zwischen 1966 und 1980 geborenen Autorinnen fokussieren – anders als ihre Vorgängerinnen, die in den Sechzigern durchaus agitatorisch schrieben – individuelle Themen. Sie wollen auf Augenhöhe mit den Männern dichten und eigene Erfahrungen auf literarisch gleichberechtigtem Niveau präsentieren. INTERVIEW: PS

Ägyptische Lyrik und Musik mit der Shibly-Band: 20 Uhr, Laeiszhalle