In Bremen sollen Flüchtlinge schneller in eigene Wohnungen ziehen dürfen. Ganz uneigennützig ist das nicht, denn die Sammelunterkünfte sind voll und werden noch vollervon Jean-Philipp Baeck

Flüchtlinge in Bremen sollen künftig schneller in eigene Wohnungen ziehen dürfen Bild: dpa
BREMEn taz | Wegen steigender Flüchtlingszahlen soll in Bremen eine weitere Sammelunterkunft entstehen. Dabei hatte die Bremische Bürgerschaft im April beschlossen, Flüchtlinge schneller in eigenen Wohnungen unterzubringen. Alle Parteien stimmten den Flüchtlingsverbänden darin zu, dass AsylbewerberInnen in den Sammelunterkünften zu schlechten Bedingungen lebten, dies die Integration behindere und die Gesundheit gefährde. Seitdem diskutiert eine Arbeitsgruppe im Sozialressort, wie eine dezentrale Unterbringung überhaupt aussehen könnte. Ein Konzept steht bislang noch aus.
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Allerdings sorgt die Entwicklung der Flüchtlingszahlen für Druck. „Mittlerweile können wir uns vorstellen, die Unterbringung auf drei Monate zu reduzieren“, sagt Horst Frehe, Staatsrat im Sozialressort. Mehr ginge nicht, das sei Bundesrecht. Noch ist es für Flüchtlinge Pflicht, mindestens zwölf Monate in einer Sammelunterkunft zu bleiben. In der Arbeitsgruppe war erst von einer Verkürzung auf sechs Monate die Rede.
Doch die 650 Plätze in den fünf Sammelunterkünften in Bremen sind zu 95 Prozent belegt. Obwohl sie ausziehen dürften, gibt es Familien, die seit Jahren in einem der etwa 22 Quadratmeter großen Zimmer wohnen, weil sie keine passende Wohnung finden. Denn die sind in Bremen knapp und viele Vermieter haben Vorurteile. Ende September rief Staatsrat Frehe deswegen die Vermieter dazu auf, Wohnungen auch an Flüchtlinge zu vergeben. Stolz ist Frehe darauf, dass Menschen mit einer Duldung nun auch berechtigt sind, Sozialwohnungen zu beziehen. Auch Deponate werden nun von der Stadt übernommen. Bereits seit dem Sommer führten Verhandlungen mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewoba dazu, dass MieterInnen keinen langjährigen Aufenthalt mehr nachweisen sollen.
Dass Flüchtlinge die Wahl haben wo sie wohnen, jedoch nicht einfach sich selbst überlassen werden, fordern Flüchtlingsverbände. Offizielle Hilfe gibt es hauptsächlich von den LeiterInnen der Wohnheime, die dort jeweils um die 150 Menschen betreuen. Das soll sich ändern. „Bei einem ambulanten Konzept soll sich die Betreuung mindestens verdoppeln“, sagt Staatsrat Frehe. Zusätzlich sollen Integrationshelfer die Menschen etwa zu Behörden begleiten – auf Stundenbasis, um zu ermöglichen, dass viele unterschiedliche HelferInnen jeweils den gleichen „kulturellen Background“ wie die Flüchtlinge haben, so Frehe.
Wann das alles beschlossen wird, ist noch unklar. Noch aber müssen Flüchtlinge die zwölf Monate in den Heimen bleiben. 70 Menschen kamen im September hinzu. Wie im gesamten Bundesgebiet stiegen die Zahlen kontinuierlich. 90 AsylbewerberInnen pro Monat sollen es werden, so die Prognose für Bremen, wo knapp ein Prozent der Asylbewerber Deutschlands aufgenommen werden.
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