Aufruhr in Jerusalem

Muslime gegen Israels Kontrolle

Die Fatah hat einen „Tag des Zorns“ ausgerufen. Vor den Zugängen zu den Moscheen auf dem Tempelberg wird die Konfrontation geprobt.

Viele muslimische Frauen

Muslima beten am Mittwoch vor dem Löwentor in der Altstadt von Jerusalem Foto: Susanne Knaul

JERUSALEM taz | Mit Flaschen, die sie auf Grenzpolizisten warfen, machten muslimische Gläubige ihrem Zorn Luft. Unmittelbar nach dem Mittagsgebet am Mittwoch stimmten rund 300 Palästinenser, die sich vor dem Löwentor am Tempelberg versammelten, in Protestrufe ein. „Mit unserer Seele und unserem Blut werden wir al-Aksa beschützen“, riefen die frommen Männer und Frauen, die auf der Straße beteten, weil sie die Metalldetektoren an den drei anfänglich geöffneten Toren zum Tempelberg nicht passieren wollten.

Eins davon ist für nichtmuslimische Besucher vorgesehen, weitere sechs bleiben seit dem Attentat am verganenen Freitag, bei dem zwei Polizeibeamte und drei Attentäter zu Tode kamen, geschlossen. Um die aufgebrachte Menge am Löwentor aufzulösen, warfen die Polizisten Rauchbomben und Tränengas. In der Nacht zu Mittwoch waren bereits rund 70 Menschen bei Ausschreitungen verletzt worden, drei davon schwer.

Die 40-jährige Englischlehrerin Maham Younis kam eigens aus ihrem Dorf unweit von Haifa angereist, um mit dem Gebet auf der Straße gegen die Metalldetektoren zu protestieren. Zusammen mit einigen Dutzend weiteren Frauen bildete sie eine Reihe, um gemeinsam zum Mittagsgebet niederzuknien. „Wir werden al-Aksa nicht betreten, solange diese elektronischen Tore hier stehen“, erklärte die energische Muslima, die die neuen Sicherheitskontrollen als „erniedrigend“ empfinde.

Natürlich dürfe es an den heiligen Stätten keine Gewalt geben. Grund, dass es doch zu Ausschreitungen kommt und zu Terror, sei die Besatzung. Al-Aksa und der Tempelberg gehöre den Muslimen, „die israelischen Soldaten sollten hier gar nicht sein“, so Younis, die sich zuversichtlich gab, dass „mit Gottes Hilfe“ bald die neuen Sicherheitsapparaturen bald wieder verschwinden werden. So sei es in der Vergangenheit schon einmal gewesen.

Angst vor Veränderungen

Tatsächlich sind auch die Zugänge zur benachbarten Klagemauer, der wichtigsten jüdischen Pilgerstätte, permanent durch Metalldetektoren gesichert, ohne dass sich dort Proteste laut machen. Die Muslime jedoch fürchten, so heißt es in diesen Tagen immer wieder, dass Israel den Status quo verändern wolle, der Juden zwar Besuchsrechte aber nur Muslimen auch Gebetsrechte auf dem Tempelberg einräumt.

Israels Regierung betont, an der bestehenden Regelung nichts verändern zu wollen. Während sich an den Zugängen für Muslime kaum eine Seele sehen ließ, bildete sich an der Mughrabi-Brücke, über die nichtmuslimische Besucher zum Tempelberg kommen, trotz der Metalldetektoren eine Schlange, die fast bis zur Stadtmauer reichte.

Einen „Tag des Zorns“ rief die Fatah am Mittwoch aus, und auch von der Wakf, den vom jordanischen Königshaus beauftragten Religionshütern für die muslimschen Pilgerstätten, kam keine Botschaft zur Beruhigung der erbosten Muslime. „Alles was wir wollen, ist dass der Status quo erhalten bleibt“, sagt Scheich Asam Khatib, Direktor der Wakf.

Dass Israels Regierung genau das verspricht, ändert nichts an seinem Misstrauen, dass die Metalldetektoren bereits ein erster Schritt sein könnten, um die Autorität des jordanischen Könighauses und der Wakf zu untergraben. „Niemand darf gestört werden, wenn er beten will“, beharrt Scheich Khatib entschieden. Es erscheint wie ein Dialog unter Tauben, denn genau aus diesem Grund ließ die Regierung in Jerusalem die neuen Sicherheitsanlagen anbringen.

Dass Israel für die Sicherheit zuständig ist, sieht Scheich Jussef Abu Snaineh, der Prediger der al-Aksa-Moschee zwar ein. Wie genau dieser Auftrag erfüllt werden soll, sagt der fromme Mann nicht. Nur dass „die Metalldetektoren unakzeptabel“ sind, das findet auch er. Ein Mantra macht sich breit in der Stadt, und je lauter es tönt, desto gefährlicher wird es.

 

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