Ausgabe 02./03. September 2017

Nix geRAFt: 40 Jahre Deutscher Herbst

1977 geriet die Bundesrepublik in einen Ausnahmezustand: Schleyer-Mord, Landshut-Entführung, Stammheim. Der Terror hatte Folgen. Aber welche Bedeutung hatte die RAF wirklich? Eine Abrechnung, 40 Jahre nach dem Deutschen Herbst.

Bild: Windeck/Sven Simon/picture alliance

Am 5. September 1977 begann mit der Entführung des Industrielobbyisten Hanns Martin Schleyer durch Terroristen der RAF das, was später als Deutscher Herbst bezeichnet wurde. Die RAF wollte mit Schleyer elf ihrer Terroristen freipressen, darunter die in Stuttgart-Stammheim einsitzenden Anführer ihrer Gründergeneration Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe.

Die Bundesregierung unter Kanzler Helmut Schmidt zeigte sich unbeugsam, Staatsräson stand gegen das Schicksal des Entführten. An der Haltung des unablässig tagenden Krisenstabs im Kanzleramt änderte auch die Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" mit 91 weiteren Geiseln am 13. Oktober durch palästinensische Terroristen nichts.

Es folgte die Befreiung der "Landshut" durch die GSG 9, der Selbstmord Baaders, Raspesund Ensslins und schließlich der Mord an Schleyer am 18. Oktober.

Die Sicht auf die RAF ist heute eine andere als damals. 40 Jahre nach dem Deutschen Herbst rechnen linke Zeitzeugen und Nachgeborene ab mit der Roten Armee Fraktion. Eine Sonderausgabe der taz.am wochenende.

• Aus dem Inhalt des 14-seitigen Dossiers:

Nachgeboren | „Es bleibt nichts als ein großes Scheitern“, sagt die Autorin Anne Ameri-Siemens, Jahrgang 1974. Sie hat das Geschehen vom Herbst 1977 mit Hilfe von Zeitzeugen rekonstruiert. Ein Gespräch über Allmachtsphantasien, Handlungsoptionen und ein kollektives Trauma.

Zeitzeuge | Wie sehr hat die RAF mit ihrem Terror der Linken geschadet und dem Staat genützt? Dieser Frage geht Friedrich Christian Delius nach, geboren 1943. Er hat die Ereignisse des "Herbstes" literarisch zu einer Romantrilogie verarbeitet.

These | „Die RAF wurde von Anschlag zu Anschlag dümmer“, schreibt Stefan Reinecke und erläutert, warum die Gruppe seiner Ansicht nach ein leeres Projekt war.

Ordnung | Karl-Heinz Viemann ist elektrisiert von der RAF. Er will alles wissen, sammelt, was er kriegen kann dazu. Er will etwas begreifen, was unbegreifbar ist, etwas aufklären, was nicht aufzuklären geht. Ein Hausbesuch.

Alternativen | Es gab im Deutschen Herbst viele Wege, Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen: demonstrieren, Bomben legen, die taz gründen. Helmut Höge ritt durch die Republik und arbeitete bei Bauern.

Genuss | Wie ein Essen völlig aus dem Ruder lief. Sternekoch Vincent Klink im Interview über Gudrun Ensslins Leichenschmaus und die Nouvelle Cuisine der 70er Jahre.

Mit Kolumnen von Bettina Gaus, Eric Bonse, Barbara Bollwahn und Philipp Eins.